Viktor Eduard Prieb - Literatur
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Leser-Autor-Diskussionen:



  • Sehr geehrter Herr Prieb,

    mit Interesse habe ich Ihre Seite zu Puschkins Onegin heute zum ersten mal besucht und war fasziniert von Ihrem Poesieangebot.

    Dahin führte mich die Frage, ob ich mehr zum Ende des Nabokov Romans "Die Gabe" erfahren könne. Dessen Ende lautet in der Übersetzung von Annelore Engel-Braunschmidt (Rowohlt):

    "Leb wohl Buch! Eine Todesstundung ist auch Visionen nicht vergönnt. Onegin wird nicht länger knien, da sich sein Schöpfer von ihm trennt. Sich jäh von der Musik zu wenden, vermag kein Ohr, so rasch zu enden kein Text... und selbst das Schicksal klingt noch nach. Vom wachen Geist erzwingt mein Text, der so geendet hat, nicht, diesen Punkt als Schluss zu sehen: Des Daseins Truggestalten wehen blauschimmernd übers schwarze Blatt wie Morgenwolken ohne Eile, und niemals endet eine Zeile."

    Haben sie eine Ahnung, weshalb er von schwarzem Blatt die Rede ist? Es ist ja normalerweise weiss. Gibt es hier einen Bezug zu Puschkin?

    Über Ihre Antwort würde ich mich sehr freuen.
    Mit freundlichen Grüssen

    Christoph B., Basel, Schweiz

    Lieber Herr Christoph B.,

    danke für ihr Interesse zu meinem "Onegin" und für ihre Frage, mit der Sie mich aus meiner Weihnachts-Neujahr-Schreibflaute wachgerüttelt haben.

    Natürlich hat das Schlussgedicht des Romans "Die Gabe" mit Puschkin und direkt mit "Onegin" zu tun, wie das Meiste bei Nabokov, für wen Puschkin ein dichterisches Götzenbild war, dessen Poesie kein Sterblicher übersetzen kann (darf!) und er sich selbst nur eine prosaische Übersetzung mit Tausenden von Kommentaren erlaubte.

    Wie Nabokov selbst im Jahre 1962 anlässlich der englischen Übersetzung "The Gift" schrieb (von mir aus dem Russischen übersetzt):

    "Im letzten Kapitel kommen alle bisherigen Themen zusammen und es zeichnet sich das Bild des Buches ab, welches Fyodor irgenswann zu schreiben träumt: "Die Gabe". Ich bin neugierig, wie weit die Phantasie der Leser den jungen Verliebten folgt, nachdem ich diese entlasse...
    ...Das letzte Gedicht imitiert die Onegin-Strophe.".

    Ich arbeite gerade an meinem literatur-wissenschaftlichen Projekt: "Das poetische Übersetzen als die handwerkliche Kunst. Die Leere aus der Erfahrung und am Beispiel meiner Übersetzungen „Faust“ ins Russische und „Eugen Onegin“ ins Deutsche" (http://www.literatur-viktor-prieb.de/About-Poetic-Translation_2017.doc). Ein Ausschnitt daraus zur Onegin-Strophe:

    "...Jede Strophe besteht aus vierzehn in vierhebigem Jambus (jambischer Viertakter) geschriebenen Verszeilen, wie es eigentlich für Sonett üblich ist, hat aber ein ganz anderes eigenes Reimschema mit der Strophenformel:
    14 ja4 [AbAb CCdd EffE gg]
    Also drei unterschiedliche Reimschemata in jeder Strophe:
    vier Verse im Kreuzreim, begonnen in weiblicher Kadenz (im Reimschema durch die großen Buchstaben gezeichnet);
    vier Verse im Paarreim, begonnen in weiblicher Kadenz;
    vier Verse im umarmenden Reim mit Randverszeilen in weiblicher Kadenz und
    die zwei letzten Verszeilen im Paarreim in männlicher Kadenz.

    Diese „Onegin“-spezifische Strophenform erhielt auch ihren eigenen Namen „Onegin-Strophe“... "

    Diese erkennt man auch in der wenigstens betreffend der Strophenformel, abgesehen vom fehlrnden Reim zwischen 1. und 3. Versen und von falschen Kadenzen in der zweiten Hälfte, gelungenen Übersetzung von Annelore Engel-Braunschmidt, allerdings nur wenn man die von Ihnen zugesandten Verszeilen entsprechend stappelt:

    Leb wohl Buch! Eine Todesstundung
    Ist auch Visionen nicht vergönnt.
    Onegin wird nicht länger knien,
    Da sich sein Schöpfer von ihm trennt.
    Sich jäh von der Musik zu wenden,
    Vermag kein Ohr, so rasch zu enden
    Kein Text...und selbst das Schicksal klingt
    Noch nach. Vom wachen Geist erzwingt
    Mein Text, der so geendet hat,
    Nicht, diesen Punkt als Schluss zu sehen:
    Des Daseins Truggestalten wehen
    Blauschimmernd übers schwarze Blatt
    Wie Morgenwolken ohne Eile,
    Und niemals endet eine Zeile.

    Also spricht diese Onegin-Strophe von Nabokov über das Weiterleben seines Romans und über das Vorhaben einen Neuen zu schreiben, vor einem leeren Blatt sitzend. Ob dieses Blatt weiss oder schwarz ist, ist nicht relevant: Man sucht in der an sich rein impressionistischen Poesie nicht nach logische und wahrheitsgemäße Inhalte.

    Schwarz kommt hier wahrscheinlich zufällig-assoziativ durch die "Morgenwolken", die sinngemäß über die noch schwarze Nacht fliegen. Aber die Stärke dieses zufälligen Bildes besteht darin, dass ein schwarzes Blatt vor einem nach DIE erste Zeile verzweifelt suchenden Schriftsteller wie ein schwarzes, alles einsaugendes Loch im Universum wirkt und seine Zweifel viel tragischer und kräftiger widerspiegelt, als ein weisses angeblich leeres und doch voll mit Licht gefülltes Blatt.

    Das ist die Magie der erhabenen Sprache der Poesie! Aus Andeutungen, Assozionen, Gefühlen entstehen solche nicht einmal vom Dichter kontrollierte und von ihm nicht einmal angestrebte Bilder und Interpretationen, die kein Mensch durch reine Vernunft und logische Gedanken erschaffen vermag.

    Ich hoffe Ihre Frage beantwortet zu haben.

    Warum interessieren Sie sich für solche für heutige kurzlebige Verhältnisse ziemlich komische, ewige Sachen?

    Ich wünsche Ihnen weiterhin viel Spaß bei diesen Sachen und
    verbleibe mit freundlichen Grüssen

    Viktor

  • Lieber Dr. Prieb,

    inzwischen habe ich den in Ihrem Downloadshop gekauften Roman "Eugen Onegin" gelesen, im Original, in Ihrer Übersetzung, in der von Theodor Commichau, auch in der von Rolf-Dietrich Keil.

    Ich selbst habe noch nie den Versuch unternommen, eine dichterische Übersetzung zu machen oder nach zu dichten. Ich finde es gut, dass Sie sich so eine Aufgabe vorgenommen haben und mit Elan daran gehen.

    Die Beschäftigung mit "Eugen Onegin" hat mir große Freude bereitet. Ich hatte jetzt wirkliches Vergnügen beim Lesen und beim Verstehen. Entsprechend fiel mir auch der Zugang viel leichter zur gleichnamigen Oper von Peter Tschaikowsky .

    Es hat mir sehr gefallen, dass Sie Ihrer Übersetzung die Worte von Goethe aus dem Vorspiel auf dem Theater in "Faust" vorangestellt haben. Die passen nach meiner Meinung sehr gut.

    Ihre Übersetzung hat mir geholfen, manche Stellen zu verstehen, die mir bei der ersten Lektüre unklar geblieben waren. Zum Beispiel das Wort „брегет“, das ich früher in keinem Wörterbuch fand, und das immerhin dreimal im Roman vorkommt. Aus Ihrer Übersetzung konnte ich erkennen, dass es sich um eine Uhr der Firma "Breguet" handelt.

    Уж восемь робертов сыграли
    Герои виста; восемь раз
    Они места переменяли;
    И чай несут. Люблю я час
    Определять обедом, чаем
    И ужином. Мы время знаем
    В деревне без больших сует:
    Желудок - верный наш брегет.
    (XXXVI, Kapitel 5)

    In Ihrer Übersetzung:
    Es sind bereits gespielt acht Runden,
    Von Whistliebhabern, schon acht Mal
    Getauscht die Plätze. Da kommt Stunde
    Für Tee. Ich lieb’s durchs Abendmahl,
    Durch Tee und auch durchs Mittagessen
    Die Tageszeit genau zu messen,
    Bekannt ist Stund’ im Dorfe stets
    Durch Magen, nicht die Uhr „Breguet“.

    In der Übersetzung von Th. Commichau:
    Acht Robber waren schon gewonnen,
    Und achtmal hatten schon die Herrn
    Den Platz getauscht und neu begonnen;
    Da kam der Tee. Ich teile gern
    Den Tag in Frühstück, Mittagessen
    Und Abendbrot; die Zeit zu messen,
    Belehrt uns auf dem Land Natur:
    Der Magen ist die beste Uhr.


    Da sind schöne, humorvolle Verse!

    Sehr gut gefällt mir auch Puschkins Gegenüberstellung von Dorfleben und der Oberflächlichkeit in der Stadt. Meiner Meinung nach finden wir dieselbe Problematik in abgewandelter Form auch heute noch vor.

    Das Lesen oder Hören von "Eugen Onegin" oder anderer Gedichte von Puschkin erweckt gute Gefühle. Nicht nur in mir, in vielen Menschen. Das hatte sich Puschkin zur Aufgabe gemacht. Er rechnet es sich als eines seiner wichtigsten Verdienste an.

    In dem Gedicht "exegi monumentum" sagt er das:

    И долго буду тем любезен я народу,
    Что чувства добрые я лирой пробуждал,
    Что в мой жестокий век восславил я свободу
    И милость к падшим призывал.

    Martin Remanè hat das wie folgt übersetzt:

    Das Volk wird Dankbarkeit und Liebe mir bewahren.
    Die Freiheit rühmte ich in gnadenloser Zeit,
    Erweckte Mitgefühl für die, die Leid erfahren,
    Als Opfer der Selbstherrlichkeit

    (aus A.S. Puschkin, Gesammelte Werke in sechs Bänden, Aufbau-Verlag 1985, Band 1, S. 419)

    Aber gerade dieser Aspekt „чувства добрые“ , der für mich der wichtigste ist, kommt in dieser Übersetzung leider nicht so deutlich heraus.

    Könnten Sie hier eine passendere Übersetzung vorschlagen?

    Noch einmal besten Dank für Ihre Arbeit!

    Mit freundlichen Grüßen aus Chemnitz

    Peter S.

    Lieber Peter,

    ihre Freude an "Eugen Onegin" und Ihre guten Worte über meine Übersetzung beflügeln mich sehr und dafür bedanke ich mich.

    Meine Improvisation zu ihrer "Aufgabe":

    Ich bleibe lange Zeit dem Volk dadurch gefällig,
    Dass ich mit Lyra wach die Herzensgüte tat,
    Dass ich in Grauenszeit die Freiheit rühmte selig,
    Um Gnade zu Gefallnen bat.


    Mit "guten Gefühlen" ist es schwierig und vielleicht nicht nötig, denn Puschkin weckte und wecken wollte auch "nicht gute Gefühle" im Bezug auf die herrschenden Verhältnisse im Zarenrussland. Da ist "Mitgefühl" bei Martin Remanè auch ein gutes Gefühl.

    Über die heutige Aktualität mancher Aussagen von Puschkin habe ich mir für heute aktuelle politische Disskusion über die Alterspflege scherzhaft Folgendes vorgemerkt (in neuer Verfassung):

    "Mein Onkel, Freund von Ehrenregeln,
    Als es ihm ernsthaft ging nicht wohl,
    Beachten ließ sich sowie pflegen,
    Das ist das Beste, was man soll.
    Sein Beispiel sei den Andren Lehre.
    Jedoch, Herrgott, was für Misere,
    Mit ihm zu sitzen Tag und Nacht,
    Wo man kein' Schritt zur Seite macht!
    Das ist die Niedertracht und Tücke,
    Vorm Sterbenden zu drehn Roulett,
    Zu korrigieren ihm sein Bett,
    Arznei zu reichen in Zeitlücken,
    Da denkt man, seufzend, wiederholt:
    Wann kommt der Teufel und dich holt!"

    Alles Gute und freundliche Grüße aus Berlin

    Viktor Prieb

  • Hallo Viktor

    im Urlaub habe ich mal etwas Zeit gefunden, mich in deine Arbeiten einzulesen.

    Du sprichst mir aus dem Herzen und du hast die Begabung es zu Papier zu bringen. Möge Gott dir auch weiter zu Seite stehen, Gesundheit und Kraft geben, um auch weiter gegen die Stammtischmentalität zu kämpfen

    Bleib gesund

    Alfred H., Diedorf

    Lieber Alfred,

    ich bedanke mich für die Wertschätzung meiner Arbeiten, die Ermutigung und gute Wünsche.

    Eine ausführliche Diskussion zum Thema "Stammtischmentalität und die deutschen Kolonisten aus Russland" habe ich gerade hier unten präsentiert.

    Dir ebenfalls alles Gute

    Viktor


  • Lieber Viktor,

    das Thema Vertreibung und Aussiedler interessiert mich wirklich seit einiger Zeit immer mehr. Wenn ich mich durch deine Publikationen lese, spüre ich eine Verletzung. Eine Wut und Verletzung darüber, wie die Westler und insbesondere die deutschen Medien mit Aussiedlern umgehen. Nämlich gar nicht oder nur mit Negativschlagzeilen.

    Mein Blickwinkel ist ein anderer, denn ich wurde nie diskriminiert und wenn ich berufliche Nachteile habe, so eher als Frau und Mutter, die nicht voll arbeiten kann. Das merke ich grade jetzt schmerzhaft, wo ich mich wieder bewerbe.

    Es gibt eine positive Form von Rassismus. Die nicht weniger verletztend ist, aber unterschwellig wirkt. Und Farbige, die hier geboren und aufgewachsen sind, möglicherweise mit einem Familienzweig in Eckernförde oder Ludwigshafen, zu loben, wie gut sie doch Deutsch können ist eine eindeutige Form davon. Nicht, dass ich glaube, dass du das machst. Es ist nur weil in einem deiner Texte dieses Beispiel vorkommt.

    Ich weiß nur lückenhaft Bescheid über die Geschichte der deutschen Kolonisten in Russland. Du schreibst, dass bei der Auseinandersezung mit dem Thema dein Herz fast verkohlt ist. Das stimmt und das ist es auch, was mir ein wenig Angst macht. Vielleicht sind wir sogar noch zu nah dran, um uns sachlich damit zu beschäftigen. Aber ich denke, wenn wir das, was an kleinen Informationsstücken noch übrig ist, nicht zusammentragen, wird es für die Nachkommenden schwieriger, sich zurechtzufinden.

    Übrigens die Geschichte mit dem Friedhof und den Totenschädeln (das Foto mit den Jungs vor dem Schädelberg) finde ich krass. Makaber natürlich, aber eine schaurige Poesie ist darin. Je mehr ich von dir lese, desto mehr gefallen mir deine feurigen Pamphlete für die Sache der Deutschen.

    L. R., Hamburg

    Liebe L. R.,

    was die Wut und Verletzung angeht, die du meiner Publizistik über die Russlandeutschen entnommen hast, das ist nur eine Momentaufnahme. Ich wurde zu diesem Thema provoziert, indem es mir der Artikel von Hilgers zugeschoben wurde, welchen ich persönlich nahm. Dieser beleidigte die Würde und Ehre meines Vaters (nicht meine, dafür bin ich zu selbstbewusst). So widmete ich mich voll Emotion und Hingabe dieser Schreibserie, die mich in das Milieu von Russlanddeutschen hineintrieb. In weniger als einem Jahr war ich weg, da ihre Kleinmachenschaften und ausgeprägte "Homo-Sowjeticus"-Mentalität mit dem Schicksal und mit der Würde meines Vaters sowie von vielen deutschen Kolonisten in Russland sehr wenig bis gar nichts zu tun haben. Ansonsten freue ich mich immer über die Erfolgsgeschichten von Russlanddeutschen wie Elena Fischer, Robert Stieglitz und viele anderen zu hören.

    Die Tragödie von deutschen Kolonisten in Russland ist nicht auf die Vertreibung und Deportation zu reduzieren. Die Tragödie besteht darin, dass gerade diese kleine Menschheitsgruppe als einzige in der Welt die ganze beschissene Schwere des XX. Jahrhunderts doppelt im Vergleich zum Rest der Welt zu spüren bekommen hatte und daran zugrunde ging. Und das ist die in meinem Buch geschilderte Geschichte meines Vaters. Die ganze Welt "feiert" heutzutage Jubiläen von zwei Weltkriegen (am Abgrund des Dritten stehend!), ohne mal die menschlichen (nicht politische, historische oder wirtschaftliche) Gründe dafür zu analysieren und zu verstehen.

    Mein im Jahre 1908 auf dem "weißen Flügel", wie ich es zu sagen pflege, weil er sehr musikalisch war und diesen als Kind wirklich hatte und spielte, oder "mit silbernem Löffel im Mund", wie hier es genannt wird, geborener Vater erlebte unmittelbar drei Kriege (einschließlich des russischen Bürgerkriegs in der Ukraine), zwei Revolutionen (in Russland und Deutschland, als deutsche Schutztruppen nach der Revolution in Berlin aus Kolonien abgezogen worden waren und die Deutschen dadurch den roten Räubern schutzlos ausgeliefert wurden). Mit elf Jahren war seine wohlhabende Kindheit vorbei. Er wurde seit dem, während mindestens 30 nachfolgender Jahre (als er 1947 nach seiner Flüchtlingsodyssee, seinem Waffen-SS-Dienst im Krieg und sibirischen KZ in sibirischem Gefängnis - Kommandanturaufsicht landete), von allen Seiten gejagt und musste um sein Überleben auf tierischem Niveau kämpfen.

    Er war zum Überlebenskünstler und zu einem Weisen mit viel manchmal sehr schwarzem Humor geworden. Er war nicht verletzt oder wütig, oder verbittert - er war am Ende in Sibirien, wo er auch schließlich 1985 starb, sogar glücklich (!) seinen stillen Hafen, wo er endlich in Ruhe gelassen wurde und sogar genug Kartoffel gegen Verhungern hatte, endlich gefunden zu haben!

    Dabei hätte er mit seiner Intelligenz und seinen Talenten alles werden können. Ich habe in meinem Leben keinen Professor, Wissenschaftler sowohl drüben als auch in Deutschland gesehen, die mit ihm und seinen noch am Landgut von Privatlehrern erworbenen 4 Grundschulklassen mithalten könnte. Das ist die wahre Tragödie und mein wahres Anliegen in allen meinen derartigen Tätigkeiten: Ich bin es meinem Vater und vielen, ihm ähnlichen Kolonisten schuldig, die Namen, die Geschichte des Ruhms, der Ehre und des Leidens wiederherzustellen und zu verewigen.

    Als ich in meinem Roman darüber schrieb und dadurch das alles (eigentlich in Einzelnem mir Bekanntes) so intensiv miterleben musste, verbrannte und verkohlte von Schmerz meine Seele wirklich. Und wir, ich und die anderen Nachkommen haben damit nicht viel zu tun, da wir nichts Besseres außer unserer Verbannungsorte kannten. Die Kindheit ist immer, auch im Gefängnis, glücklich ("Der Kleine" als Prolog zu meinem Roman oder das Gedicht über die DDR- bzw. UdSSR-Nostalgiker, die ihr Glück als Kind mit dem "glücklichen" Regimen verwechseln.

    Und diskriminiert habe ich mich auch nie gefühlt. Das ist nun die Einstellungssache. Als wir nach Deutschland kamen, sagte ich meinen Töchtern, dass jede Tussi-Geschirrspülerin hier, in Deutschland, besser als wir, Doktoren und die besten Schülerinnen, allein deswegen ist, weil sie besser als wir Deutsch spricht, und wir können nur dann damit anfangen, uns mit Einheimischen hier zu messen, wenn wir es auch können, und zwar auf unserem Niveau. Für mich hieß es, wenn ich mein erstes Gedicht auf Deutsch so gut wie früher auf Russisch schreibe (1995).

    Mir fiel es leichter, denn ich kletterte nie auf den Leitersprossen des Aufstigs und erlebte deswegen keine dementsprechenden Abstiege. Und nachdem ich mit 17 Jahren den Schock des Wandels von dem Kleinen aus dem wilden Schweinebetrieb in die Elite-Uni in Nowosibirsker Akademstädchen (nach westlicher Art aufgebauter und organisierter Uni-Campus und Paradies) unter der Kindern von sowjetischer Elite (von Akademiemitgliedern bis zu Geologen und mindestens Schuldirektoren) gelandet hatte, wo ich dies nur 2 Jahre aushalten konnte, und nach vielen anderen Abenteuern in Russland, ist die Umsiedlung nach Deutschland schon das kleinste Übel gewesen.

    Was mein Akzent betrifft, der gehört nun auch zu meiner Identität, zum besonderen Charme meiner Persönlichkeit. Nach der ewigen, in 5 Minuten nach Beginn jeder Unterhaltung wie Amen in der Kirche kommenden Frage: "Wo kommst du denn her?", kommt es schließlich nur darauf an, ob du was zu sagen hast und ob dein Zuhörer intelligent genug ist und seine Neugier weit genug über die anfängliche Frage hinaus geht. Über ein paar solche Zwischenfälle habe ich mich mit Viktor Streck ausgetauscht.

    Wieso fühlst du dich als Mutter diskriminiert? Du sagst ja selbst, dass du als Mutter nicht so viel (für übrige Sachen) leisten kannst. Das ist die Tatsache und nicht diskriminierende Meinung von Arbeitgebern. Ich hoffe (eher für Deutschland als für dich), dass Deutschland trotz seiner wirtschaflichen Macht ohne Fachfrauen und -mütter bald auf seine Grenzen stößt, entsprechende Arbeitsbedingungen für Mütter schafft und dieses Riesenpotenzial erschließt.

    Es wird zwar zur Zeit diskutiert, aber wiederum in die falsche DDR-, UdSSR-Richtung, nämlich mehr Kindergärten usä., also Mütter von Kindern zu trennen und an die Fließbänder anzuketten, damit sie "ihre Brötchen verdienen". Die beste gesellschaftliche Lösung wäre BGE (Bedingungsloses Grundeinkommen) - eine Idee, die ich auch am Ende meines Artikels "Die Wahl 2009" begrüße. Doch es ist Zukunftsmusik, ohne tierische und somit erniedrigende Angst zu leben, deine Brötchen und den Dach über den Kopf verlieren zu können.

    Die andere, heute durch die Kommunikationstechnik sehr realistische Möglichkeit ist es, zu Hause am Komputer zu arbeiten als freier Mitarbeiter oder sogar als Büroangestellte, ohne Notwendigkeit jeden Tag für 8 Stunden ins Büro zu gehen und trotzdem in kreativen Arbeitskontakt mit dem Team zu bleiben. Die Arbeit daheim ist jezt immer mehr im Trend und immer mehr kreative Menschen tun das. Ich wünsche dir so etwas zu finden.

    Mit Frauendiskriminierung ist's anders, das ist eine zur Staaträson aufgestigene Macho-Scheisse, die etwas ähnlich unserer Geschichte mit dem Afrikaner ist. Ich meinte dabei nicht den hier geborenen Afrikaner, sondern einen Asylanten, dessen Versuch etwas auf Deutsch zu sagen von Einheimischen mit Begeisterung gelobt wird, während das Bekenntnis eines Russlanddeutschen deutsch zu sein, mit Hinweis auf sein "komisches" Deutsch brutal abgeschmettert wird. Nach dem Motto: "Solange du ein Affe bist und sich dazu bekennst, bin ich dein Freund, Helfer und Befürworter usw. Sag mir aber blos nicht, dass du mir gleich bist, denn dann stellst du eine Konkurenz, also eine Gefahr, für mich dar und bist somit mein Feind!". So ist es mit Frauen auch. Die blöden Machos haben Angst, von einer Frau intellektuell, fachlich und sachlich geschlagen zu werden. Und je blöder und unsicherer derjenige Macho an sich ist, umso stärker sind bei ihm diese Abneigung und der Diskriminierungsdrang.

    Und ich bin den Frauen gegenüber immer neidisch, weil sie sich so "leicht" verwirklichen und den Sinn des Lebens bzw. die Lebensaufgabe erfüllen können, indem sie der Welt das neue Leben schenken, während armselige Männer nach solche Verwirklichung lebenslang suchen, Mist bauen und am Ende es meistens doch nicht schaffen können. Ich wollte dich nur etwas aufmuntern...

    Ich danke dir für anerkennende Worte über meine feuerige, makabre und sonstige Texte. Der Schädel unten links in der Totenköpfen-Pyramide auf dem Foto ist mein Prototyp.

    Alles Gute und Danke für die Inspiration zu diesen langen und noch lange nicht abgeschlossenen Ausführungen

    Viktor



  • Hallo Herr Dr. Prieb,

    weil sie mir geholfen haben die Umgebung meiner Vorfahren zu erforschen wollte ich mich damals bedanken. Leider haben sie meine Post veröffentlicht. Ich wäre dankbar wenn sie diese private Post von mir wieder löschen.
    Danke

    Reinhard

    Lieber Reinhard,

    ich lösche meine Ausführungen und Gedanken nimmer, da ich immer genau weiß, was ich zu sagen und zu schreiben habe.

    Ihr Dank ist ihnen wirklich wegen ihrer teils frechen, teils nicht besonders klugen Bemerkungen und Einschätzungen mächtig misslungen. Doch es ist für mich kein Grund, meine Seiten zu entstellen, um ihnen ihre eigenen Peinlichkeiten zu ersparen.

    Und wir haben miteinander nichts privates zu tun. Sie haben sich zu meinen öffentlichen Seiten geäußert, ich habe auf ihre Äußerungen reagiert, deswegen steht es jetzt auf diesen öffentlichen Seiten veröffentlicht.

    Das Einzige, womit ich ihnen helfen kann (und es schon getan), ihren Brief zu anonymisieren. Ich habe alle Familiennamen rausgenommen (gleichzeitig ihr "mehr Deutsch" etwas nachgebessert). So sind sie dort nicht mehr erkennbar.

    Mehr kann ich für sie nicht tun.

    Ihnen einen schönen Abend noch

    Dr. V. Prieb


  • Wirklich tolle Seite Herr Dr.,
    nur die Art, wie sie ihre Familie beschreiben und hervorheben, hat mich gewundert. Das liegt daran das sie eben doch mehr Russe sind als die, die das Glück hatten, noch 1944 heraus zu kommen. Mein Ur-Opa war Gottlieb ... aus Blumental, seine 4 Söhne wurden abgeholt, seine Tochter Frieda (Meine Oma) und Berta kamen 1944 über den Wartegau. Meine Mutter kommt aus Tiefenbrunn. Sie haben ihre Heimat nie vergessen.

    Danke für ihre schöne Seite.

    Reinhard (will anonym bleiben)

    Hallo, Reinhard,

    mein Name ist eigentlich Prieb, und Dr. ist nur ein Bestandteil davon, welches meistens nur für meine wissenschaftliche Internetseite gilt.

    Ich nehme Ihren Lob und Ihren Dank gerne entgegen, denn es steckt viel Arbeit hinter meinen mehreren "schönen" Internetseiten. Diesbezüglich habe ich auch nicht ganz verstanden, um welche Seite konkrett es sich bei Ihnen handelt. Der Email-Adresse nach geht es um meine Literaturseite, welche ebenfalls mehrere meine Werke wie mein Roman, meine Dichtungen, meine Prosa und Publizistik - und dies alles zweisprachig - darstellt.

    Also meinen Sie mein Roman, in welchem ich meine Familie (das heißt vier Generationen der Familie Prieb) beschreibe und "hervorhebe" und aus dem Sie gleich zu schlüßfolgern wagen, ob ich "mehr Russe" und dementsprechend weniger Deutscher als ihre Oma bin, die ihre geliebte russische Kolchosenheimat - wo ihr Vater Gottlieb - wie auch hunderttausende deutschen Kolonisten in Russland - nach der Revolution und dem Bürgerkrieg beraubt und vernichtet worden war, seine Töchter in Kolchosen degradierten und verhungerten und wo ihre vier Brüder umgebracht wurden - nie vergessen haben, sprich bis heute noch Heimweh verspüren.

    Ich bin in sibirischer Verbannung, noch vor meiner Geburt als Deutscher dazu verurteilt, geboren und betrachtete dieses Gefängnis nie als meine Heimat (höchstens mein weder von mir, noch von meinen Eltern frei ausgesuchter Geburtsort) . Ich bin seit über 21 Jahren überglücklich, hier in meinem Lande der Deutschen zu sein und zum ersten Mal im Leben das mir fehlende Heimatsgefühl zu entdecken und dieses zu genießen.

    So viel zu Ihren Meßinstrumenten an Russen- bzw. an Deutschtum. Was die Beschreibung und die Hervorhebung meiner Familie betrifft, so beschreibe ich die zweihundertjährige Geschichte-Chronik, untermauert auch durch meinen Stammbaum der deutschen Kolonistenfamilie Prieb (es tut mir leid, ihre Familie aus Blumental kannte ich nicht, um diese hervorzuheben) vor dem Hintergrund der historischen Ereignissen und Ungereimheiten des XX. Jahrhunderts als einer der hundertausenden deutschen Kolonistenfamilien in Russland und Abermillionen deutschen Familien in Deutschland, wessen Schicksale und viele Leben durch diese Ungereimheiten zerstört und vernichtet wurden.

    In meiner Beschreibung hebe ich meine Familie hervor und ich stelle ihr persönliches Schicksal über alle historisch wichtigsten Sachen der Welt , um deutlich zu zeigen, dass jedes persönliches Schicksal - und nich rein statistische Millionen von Umgebrachten und "Abgeholten" - im Mittelpunkt der Geschichte und jeder immer wieder in einen Krieg mündenden Weltpolitik stehen muss, denn nur dieses hat einen realen menschlichen Wert und nicht irgendwelche abstrakten politischen Parolen, Ideale und angeblich übergeordnete Welt- oder Staatswerte wie Weltkommunismus, Weltnazismus und -herrschaft, Interesse des Landes (heute bei den USA-Kriegern) usw. usf.

    Ohne diese Hervorhebung des Schicksals und des Schmerzes eines einzelnen Menschen ist die ganze Weltpolitik und sogar unsere ganze Weltkultur keinen Pfifferling wert!

    Das ist meine Philosophie und die Philosophie meines Romans, die für manche meiner Leser anscheinend unbegreiflich bleibt, was mir auch sehr leidtut.

    Ihnen noch alles Gute

    Viktor der Dr.



  • Hallo, Viktor!

    Genial geschrieben deine WallStreet-Institut-Erzählung, auch wenn manches in dieser so nicht ganz stimmt...
    und blaue Augen habe ich auch nicht ;-)

    und schwarze Menschen sollte man heutzutage oder überhaupt nicht mehr als "Neger" bezeichnen, aber das ist sicherlich nicht boshaft gemeint ;-)

    Ansonsten - schreiben kannst Du, wobei - komme ich dabei wirklich gut weg???!!!
    In jedem Fall musste ich sehr schmunzeln beim Lesen.

    M. Donner, Berlin

    Liebe Mina,

    deine Antwort und "Rezension" haben mich sehr erfreut, danke!

    Zu deinen Bemerkungen:

    Das ist schließlich ein belletristisch-erzählerischer Witz, der eher meine Emotionen und unsere entspannt-freundliche Atmosphäre vor dem Hintergrund unseres "harten geschäftlichen Handels" wiedergibt, und kein Protokoll unserer geschäftlichen Sitzung, wo alles drin wortwörtlich stimmen muss.


    Und Du hast sehr schöne Augen - egal welche Farbe sie aufweisen, weil sie vor allem sehr gutmütig strahlen. Das, mit schwarzen Haaren und blauen Augen bei Franken, habe ich mir offensichtlich "ethnographiemäßig" eingebildet, ohne tatsächlich davon Ahnung zu haben.

    Die Menschen, welche schwarze Haut haben, wurden von Spaniern Neger genannt, weil "negro" im Spanischen (Lateinischen) "schwarz" bedeutet. Mehr auch nicht! Mehr kommt es rein von dem rassistischen Gefühl, mit welchem es gesagt wird. Um dieses Gefühl zu betonen, sagten die US-Amerikaner zu ihrer "rassistischen" Zeit "Nigger", was jetzt, wo sie ihren Rassismus angeblich abgelegt haben, zu diesem Political Correctness geführt hat, ihre früheren Sklaven, als "Afroamerikaner" zu bezeichnen und somit sich so weit wie möglich von diesem rein amerikanischen Schimpfwort "Nigger" zu distanzieren, was schon wieder nichts Anderes bedeutet, als die Betonung deren negroiden (immer noch geltender, wissenschaftlicher Begriff) Rasse. Wenn man wirklich ehrlich nicht rassistisch gewesen wäre - wie ich es bin -, hätte man sie einfach als Amerikaner bezeichnen und gar keinen Unterschied zwischen weißen, roten, schwarzen, halb-schwarzen und sonst noch welchen Amerikanern machen müssen. Ansonsten muss ja man die Neger in Afrika "Afroafrikaner" nennen?:-))

    Das ist übrigens dasselbe, wie hier in Deutschland, wo man Deutsche mit allen möglichen Bezeichnungen auseinander zu halten versucht: Osis, Wesis, Russlanddeutsche, aber komischerweise nicht Deutschlanddeutsche. (über deutsche Nachkriegskomplexe mit Rassen und Nationalitäten will ich hier gar nicht reden - ich habe sie nicht, weil ich meine "deutschen Sünden und Schulden" in Gefängnis Sibirien abgebüßt hatte).

    So viel zu Political Correctness, was man sagen darf, was man soll und muss. Davon halte ich nichts - ich überlasse so eine pseudo-demokratische Scheiße, von welcher ich es in der Ex-UdSSR satt hatte, aber sogar dort zu sagen pflegte, was ich dachte und wollte, den Politikern. Ich nenne schwarz - schwarz, weiß - weiß und verlasse mich dabei auf meine nie rassistischen Gefühle ("nicht boshaft gemeint" wie du schön schreibst). Und ich fand die Schwarzen in New York wirklich sehr nett (netter sogar als manche Weißen dort und hier) und liebenswürdig.

    Nach literarischen Gesetzen gilt es: Was mit Liebe gefühlsvoll beschrieben wird, kommt auch gut an. So kann ich zu deinem Erscheinungsbild in dieser Erzählung nur sagen, dass ich dich mit viel Liebe und Zuneigung als einen sehr netten, aber auch professionellen Menschen beschrieben hatte und so gut du hier auch wegkommen sollst. Die einzige etwas zwielichtige und dir gar nicht eigene Passage, die auch nicht stattfand, sondern von mir hier so reininterpretiert wurde, ist die mit der Prämie, die dann am Montag hätte von der Chefin angeblich kassiert werden können. Die passt irgendwie auch nicht in dieser gutmütig-humoristische Erzählung, und ich nehme wahrscheinlich diese raus.

    Das beste Kompliment und Lob ist es für mich, dass du beim Lesen geschmunzelt hast - nur das bezweckte ich auch bei meinen Lesern.


    Schönes Wochenende und sonst alles Beste für dich

    Viktor


  • Lieber Viktor,

    ich habe in den letzten Tagen in deinem Roman "Der Zug fährt ab" sehr viel gutes und interessantes gelesen.

    Ich selbst bin auch in der Kriegsgefangenschaft im Ural geboren und habe meine frühe Kindheit dort verbracht. In Deutschland lebe ich jetzt mit meiner Familie und Verwandtschaft schon 34 Jahre.

    Schon in den frühen Morgenstunden bewegten mich die Gedanken Dir zu schreiben. Und zwar geht mir die Stelle der Unterhaltung mit den Töchtern über die "Guten" und die "Schlechten" nicht aus dem Kopf. Ich bin fasziniert über deine scharfsinnige Analyse und Argumentation, über die Beschreibung der Gottes- und Teufelsstimme in uns. Dem schließe ich mich auch uneingeschränkt an.

    Einen wichtigen Punkt sehe ich allerdings anders und deswegen schreibe ich. Wir können uns nicht selbst erlösen durch Gutsein, unsere Anstrengung und Leistung. Gott selbst ist in der Person seines Sohnes Jesus Christus für uns in die Bresche gesprungen um uns zu erretten. Wir müssen das nur als Geschenk annehmen, er verlangt von uns dafür keine Leistung ab.

    Ich möchte Dich einladen SEINEN Liebesbrief an uns zu lesen und zu entdecken, daß es da um eine (Liebes)beziehung zwischen IHM und uns geht. Wenn wir die Evangelien mit offenem Herzen lesen, so daß ER zu uns reden kann und wir zu IHM, dann wird dieses Wunder der Liebesbeziehung geschehen! Davon bin ich überzeugt. Dann schließt sich der Kreis für Dich auch in dieser Beziehung, die deinem Vater fremd war und er auch die Chance darauf verworfen hat, was ich schmerzlich bedaure. Der anonyme Gott wird dann zu einer lebendigen Beziehungsperson. Er streckt seine Hand nach uns aus, wir müssen sie nur ergreifen!

    Auf dem Bild von Dir im Internet meine ich zu erkennen, daß es am Solitudeschloss ist, kann das sein?

    Oskar Blank, Stuttgart

    Lieber Oskar,

    vielen Dank für deine guten Worte zu meinem Buch. Mich freut jede Meinung dazu immer sehr und umso mehr, dass ich diese nicht so oft bekomme.

    Das von Dir angesprochene Thema ist viel zu ernst, um es jetzt, wo ich leider keine Zeit habe, im Vorbeigehen zu behandeln. Aber ich schreibe demnächst unbedingt meine Überzeugungen und Überlegungen dazu.

    Du hast das Solitudeschloss richtig erkannt - dort, in der Schlosskirche, feierten wir die Trauung unserer Tochter.

    Bis demnächst wünsche ich Dir alles Gute

    Viktor



  • Hallo, Viktor!

    Hab' aufmerksam dein Gedicht "Der Zweifell an der Vollbeschäftigung" zwei mal durchgelesen und sage kurz - ,,VOLLTREFFER!'' Man hat keine Lust mehr auf das Gerede, das nirgendwohin führt und dann kommt man zur Erkenntnis, dass sie auch nicht wissen, wohin und was sie wollen. Über Karl Marx und Sklaven hat's mir auch gefallen. Weiter so!

    A. Maier, Luneburg


  • Kommentar zu meinem Gedicht bei e-Stories.de "Die Liebe als Tod"

    Ein wunderbares Gedicht! :-)

    Vineet Arora

    Danke, Vineet. Jedes Gedicht sehnt nach einem wunderbaren Leser, um selbst wunderbar zu wirken!

    Viktor



  • Hallo, Viktor!

    Lese schon lange keine Liebesgeschichten und keine Liebesromane, aber "Das Blackout" ist gut. Die Geschichte ist zu kurz und ohne Happyend, aber sie spricht für viele Andere, denen es genau so geht, nur wagen sie es nicht, sich bloß zu stellen, denn vieles in unserem Leben hängt noch von der Meinung der Öffentlichkeit ab. Aber die Sehnsucht nach der Liebe hat vielleicht die Halbe Welt.

    Aber warum ist sie so traurig? Die Liebe ist immer, in jedem Alter, was besonderes. Und für sie gibt's keine Grenzen und Entfernungen. Wo liegt das Problem? Die Liebe stirbt nie, sie war und bleibt "in aller Ewigkeit", nur trifft sie nicht jeder. Dafür muss der Mensch auch selbst bereit sein Liebe zu empfangen und Liebe zu geben, das Herz offen halten, um die Liebe zu erkennen und sie nicht zu verlieren. Dass sich zwei für einander bestimmten Menschen in so einer großen Welt auch finden, ist immer ein Wunder, das man fest halten muss.

    Danke und alles Gute, nicht aufgeben!

    Elvira, Hannover

    Danke, Elvira, für deine schönen Wörter, für dein Verständnis, deine Behutsamkeit und ... deine Sehnsucht!

    Traurig macht Einen diese Sehnsucht, die meistens unerfüllt bleibt, und das ist das einzige Problem. Die Geschichte ist ja von mir ausgeträumt, -gedacht worden, sie ist also nicht wirklich real. Trotzdem macht sie auch mich bis heute noch traurig.

    Gib du auch nicht auf!

    Für solche Leser löhnt es sich, immer weiter zu schreiben...

    Danke dir und ebenfalls alles Gute.

    Viktor

  • Kommentare zu meinen Erzählungen und Gedichten bei e-stories.de

    Hallo, Viktor,

    stark zu lesen deine Geschichte "Philologie des Genozids und Politologie des Siegers", bin beeindruckt und vieles wusste ich ohnehin nicht...

    danke fürs Lesen

    ich muss gestehen, ich musste dein Gedicht "Sterne zum Geburtstag" zweimal lesen... es hat mir gut gefallen

    dein Gedicht über die Liebe hätte man nicht besser schreiben können...
    ja die Liebe...

    gruß

    Eva Christa (Aldebaron)

    Danke, Eva!

    Es freut mich sehr, wenn meine Gedichte und Geschichten jemanden vor allem inhaltlich ins Herz, in die Seele oder in den Sinn treffen, sodass meine Leser mir sogar ihren Dank aussprechen, wie z. B. der vorige, reife und mich dadurch sehr bewegte Kommentar.

    Dies entschädigt mich für manche kleinkarierte, angeblich literarische Kritik vor allem an der klassischen Form in meinen Gedichten oder an Komplexität meines Schreibstils. Aber alles Anderes nenne ich "die Proletarisierung der Poesie", bei welcher sich jeder Alphabet gleich für Poet halten darf, nur weil er seine Gefühle zum Papier bringen kann. Dabei versteht man im Unterschied zu Poesie doch, dass beim Komponieren das feine Gehör und nicht das Beherrschen der "Notengrammatik" entscheidend ist.

    Nochmals vielen Dank

    Viktor



  • Ein Kommentar zu meinem Wettbewerbtext "Der Preis des Friedens"

    Hallo, Herr Prieb,

    ich habe Ihre Geschichte mit großem Interesse gelesen.

    Für mich persönlich ist dabei die Erwähnung des Erlasses vom 28. Aug. 1941 von besonderer Bedeutung. In anderen Nachbarländern Deutschlands ist das wahrscheinlich ähnlich gehandhabt und wohl auch nie offiziell aufgehoben worden.

    Ich bin jedenfalls in den letzten 30 Jahren unausgesprochen so gesehen und behandelt worden - ohne, dass ich dagegen auch nur ein Wort sagen konnte. Den meisten Leuten habe ich das nicht übel genommen, weil ich mich eigentlich gut mit ihnen verstand.

    Nun werde ich die Dinge zumindest noch besser auseinanderhalten können.

    Vielen Dank dafür.

    Evelin Rühle


    Ihr Kommentar hat mich sehr berührt und bewegt... und für viele Stunden, Tage und Monate einer manchmal undankbaren Arbeit entlohnt.

    So habe ich Ihnen zu danken

    Viktor



  • Hallo Viktor,

    war mal auf Deiner HP gerade und habe einen Buchauszug gelesen, ich glaub, es hieß "Der Trauerzug" (?), handelt jedenfalls von einem Vatertod und der Beisetzung durch die Kinder.

    Ich fand diese Geschichte wunderbar - eindrücklich, gefühlvoll und auch vom Background total interessant. Die Beschreibungen, die Bilder, alles klasse! Hat mir außerordentlich gefallen.

    Vielleicht stellst Du mal solche Stories ein? - das wär toll!

    Lieben Gruß

    candida ("Literatopia")

    Hallo candida,

    danke für deinen schmeichelhaften Kommentar.

    In der Geschichte, die du erwähnst, handelt es sich wirklich um den Tod meines Vaters: deutschen Kolonisten aus der Ukraine, Waffen-SS-Soldaten an der Front am Ende des Krieges, KZ-Häftlings in Sibirien nach dem Krieg - des Opfers von allen historischen Ungereimtheiten, die im XX. Jahrhundert in Russland und Deutschland passierten und ihn zu einem Überlebenskünstler machten.

    In dieser Geschichte - eigentlich ein Ausschnitt aus meinem Buch "Der Zug fährt ab" - sind wahre Gefühle: Liebe, Trauer und Bestürzung im Spiel. Deswegen ist sie so gelungen und so eindrucksvoll. So durchdringend, dass ich selbst sie nicht zu oft zu lesen wage.

    Ich werde sie, wie die anderen auch, mit der Zeit sicherlich auf "Literatopia" veröffentlichen. Ansonsten kann man alles auf meiner Webseite www.literatur-viktor-prieb.de finden und lesen.

    Nochmals vielen Dank
    viktor



  • Hallo Viktor,

    jeder kommt einmal zu diesem Punkt, gewinnt seine Erkenntnis und muss damit umgehen. Ich denke, die Einstellung der Jugend zu älteren Menschen und ihren Gefühlen hat sich nicht grundlegend geändert und dies wird sie sich auch nicht. Jugend belächelt altklug und schulmeisterhaft das Alter, was reichlich milde ausgedrückt ist (Du sagst es in Deinem "Aufruf" deutlicher)...ja, und die älteren Menschen sind meist nicht viel besser, schauen sie doch "weise" auf die Jugend herab, die mit Lebenserfahrung nichts anzufangen weiß, ihre eigenen, schmerzhaften Begegnungen mit dem Leben benötigt, um zu verstehen. Das sind alles ganz selbstverständliche Vorgänge, die sich ständig wiederholen. Man darf das Altern nicht tragisch nehmen, es ist ein Gewinn, ein großes Glück, wenn das auch paradox klingen mag. Wie vielen Menschen auf der Welt ist dieses verwehrt?

    Ich schätze jede Zeit meines Lebens, versuche jedem Tag etwas Schönes abzugewinnen und arbeite an meiner Gelassenheit, der Dummheit, Unsensibilität und Verständnislosigkeit gegenüber. So finde ich meine Art von Zufriedenheit, denn meine Revoluzzerzeit hatte ich.

    Dein Gedicht vereint Realität und Traum, wer sich einfühlen möchte, dem wird es gelingen. Schreib doch einmal ein Gedicht ohne Melancholie und Bitterkeit... es wird Dir gut tun.

    Lieben Gruß

    Helga ("Literatopia")

    Hallo Helga,

    vielen Dank für Deinen Kommentar. Es geht mir gut, und ich fühle mich in meinem Alter wohl und zufrieden. Ich provoziere nur einwenig. Ich protestiere aber mächtig gegen Abstempelungen aller Art, die überall zu sehen und zu treffen sind. Die Vergleichsfrage zwischen jung und alt ist nicht viel besser als die über Unterschiede zwischen verschiedenen Nationen oder Rassen. Diese Frage stellen entweder Naziesten oder Rassisten. Wer stehlt dann die Altersfrage - "Altristen"?

    Die Altersschublade ist nur eine von mehreren gesellschaftlichen Schubladen, in die Menschen aussortiert werden und dadurch in ihre Schranken angewiesen. All diese Schubladen und Schranken haben mit der realen Sachlage vielleicht nur statistisch etwas zu tun. Es, zum Beispiel, zu behaupten, dass das Alter mit Krankheiten und körperlichen Schwächen zusammenhängt, stimmt nur bedingt und ab einer für jeden Menschen persönlichen Altersgrenze. Es stimmt eher für einen Zustand kurz vor dem Tod. Der Tod trifft aber Menschen, wie wir alle es leider wissen, ohne auf ihr Alter zu achten.

    Es ist falsch auch zu sagen, dass die Lebenserwartungen bei alten Menschen geringer sind als bei jungen Draufgängern. Wenn eine junge Frau sich nur darauf verlässt, kann sie sich bald wundern, wie schnell und unabhängig vom Alter ein Mensch verwitwet, geschweige denn verlassen werden kann.

    Die Rede ist auch nicht von Ansichten von Jugendlichen allein, die in Frage stellen können, wozu ein alter Mensch ein teueres Kunstgelenk noch braucht. Die Frage scheint ja fast berechtigt zu sein, wenn man dann gleichzeitig im Fernsehwerbung einer Versicherung über Altersfürsorge einen alten, physisch noch sehr fitten, aber - seinem Gesichtsausdruck nach - nicht weise, sondern absolut glückselig verblödeten Alten sieht. Das ist gesellschaftlich festgelegtes Gesicht des Alters, und das treibt mich auf die Palme.

    Im übrigen habe ich eine Menge von Gedichten ohne Melancholie (z. B. über "Depression", wenn es auch bei "Literatopia" unter "Melancholie" steht) geschrieben, allerdings die Meisten davon auf Russisch.

    Bitterkeit ist mir überhaupt nicht bekannt: Dafür bin ich noch viel zu stark und zu jung, um mich von jemandem verbittern zu lassen. Außerdem entstehen meine Gedichte aus meinen innersten Gefühlen heraus und nicht umgekehrt: aus nichts heraus, um meine Gefühle zu beeinflussen.

    Die Revoluzzer habe ich nie gemocht, umso mehr aber Rebellen.

    Also, nochmals vielen Dank.

    Bleib' jung, stark und einbißchen rebellisch

    Grüße
    viktor



  • Hallo, Viktor,

    Deine Ausführungen fand ich sehr interessant - von den Überlegungen ur Erb-Schuld bis hin zu psychologischen Hintergründen des (kriegerischen) männlichen Kräftemessens. Sehr interessant, wirklich, und zum Nachdenken anregend. Und es ist wirklich aufschlussreich zu sehen, wie sich die Sichtweisen auf bestimmte Ereignisse aus der Politik oder gesellschaftlichem Leben verändern bzw. wie diese verständlich und nachvollziehbar werden, wenn man sie mal psychologisch interpretiert oder erklärt.

    Das mit Macho-Psychologie fand ich sehr spannend - obwohl ich mir bereits Unmengen an Tiersendungen angeschaut habe und diese auch sehr mag, bin ich noch nie auf die Idee gekommen, so etwas auch bei den Menschen (Männern) zu vermuten bzw. nur in bestimmten Situationen. Aber deine Ausführung überzeugt. Es ist wirklich so: Da, wo es keinen fairen Verlierer und einen fairen Gewinner - der auf verletzten Gefühlen des Verlierers nicht unnötig herumtrampelt - gibt, da bleibt der Konfliktpotenzial unaufhörlich bestehen. Jetzt fallen mir so einige Szenen aus meiner Schulzeit ein, wo einige der "schwachen" Mitschüler von den "starken" immer wieder und immer gerne verprügelt wurden. Ein Philosoph sagte mal, jedes große Universum sei lediglich ein Abbild eines kleineres, oder so ähnlich. Die Spielregeln und Strukturen sind wirklich überall vergleichbar.

    Den Herrn Scholl-Latour finde ich sehr gut, und dein Beispiel mit seiner Aussage hat mir sehr gut gefallen. Ich möchte mich aber jetzt nicht in diese Thematik vertiefen, ich bin der gleichen Meinung. Ich bedauere nicht, dass ich jetzt in Deutschland bin und mich damals für diesen Schritt entschieden habe. Obwohl es immer wieder Menschen gibt, die es nicht nachvollziehen können oder wollen. Die meisten sind doch ansprechend und zeigen sich freundlich (im Westen). Die Frage nach der Heimat ist eine große und sicherlich für jeden Menschen eine individuelle, persönliche. Ich muss sagen, ich fühle mich hier wohl, und deshalb ist es mein Zuhause, mein neues Zuhause. Es ist wohl eher die Lebensqualit?t, die "freie Luft", Menschlichkeit - das Erbe des europäischen Humanismus, den es in Russland nie oder nur ansatzweise gegeben hat.

    Natalie

    Hallo Natalie,

    lass dich nicht von den Menschen runterkriegen, die deine Entscheidungen nicht nachvollziehen wollen oder einfach unfreundlich sind und fragen, wie ich mal in einer Kneipe gefragt wurde, "Was machst du überhaut hier, in Deutschland?". Bis zu so einer Frage kann man noch diskutieren. Diese Frage in ihrer provokativen Arroganz und radikalen Rechtsanspruch auf alleinige Besitzrecht auf Deutschland setzt aber keine weitere Diskussion voraus, kommt von denjenigen primitivsten Deutschen, die von jung bis alt an der Sozialkasse - ihrem Schweinefuttertrog - um ihren Platz gaunern und keinen Spaß oder irgendwelche Argumente, geschweige denn irgendwelche höheren menschlichen Beweggründe, verstehen. Diese Frage setzt entweder Schlagerei wie früher in Sibirien, oder dein Ignorieren und Weggehen mit erhobenen Haupt voraus (ich wählte damals das Erste und erwarb dadurch bei denen sogar etwas Achtung).

    Unfreundlichkeit am Arbeitsplatz beginnt erst dann, wenn du deine Fähigkeiten entfaltest und dadurch eine Konkurrenzgefahr darstellst. Dann wirst du von den anderen - sogar unter wissenschaftlichen Kollegen an der Uni, wie es bei mir gewesen war - mit allen möglichen, sogar oben geschilderten Mitteln bekämft - so sind sie erzogen in der konkurrierenden Leistungsgesellschaft, und so ist das, und das ist auch gut so, wenn wir die Leistungen und Wohlstand Deutschlands mit denen in der "konkurrenzlosen und freundlichen" Gesellschaft der "kommunistischen" UdSSR vergleichen, damit wir nicht gleich an dieser Stelle schon wieder in falsche Sklavennostalgie "Wie schön war es mal in der UdSSR" verfallen.

    Diese Vergleiche - auf die Art "Na, ja! An der Stelle war es nicht so gut, aber so schlecht war es auch nicht - wir hatten immerhin glückliche Kindheit und waren im Zusammenleben freundlich und unbesorgt" (siehe meine Diskussionen in russischen Leserreferenzen, wenn du noch russisch kannst) - erinnern mich an ein wissenschaftliches Stadtseminar von Metallphysikern in Tomsk mit einem Leitvertrag von unserem heimischen Akademiemitglied, der sich von der Rednerbühne herab vor den führenden Wissenschaftlern der Stadt in seiner Überzeugung, dass er der höchste und klügste hier sei, um uns zu belehren, sich so ein Quatsch wie "Stabilität des Systems in diesem Temperaturbereich sinkt...!" erlaubte. Alle führenden Wissenschaftler ließen dies in ihrer Ehrfurcht durchgehen. Ich aber - noch ein junger Wissenschaftler - konnte es nicht geschehen lassen und stellte nach dem Vortrag die Frage: "Wie kann Stabilität egal von was und egal in welchem Temperaturbereich sinken? Ich dachte immer, dass es Stabilität entweder gibt oder auch nicht.".

    Du musst nicht Physikerin sein, um zu wissen, dass sich manche qualitative und nicht quantitative Dinge weder zählen (wie Zeit) noch messen und vergleichen (wie das Gute und das Böse oder Stabilität eben) lassen. Die UdSSR, wie auch die DDR, war das Böse an sich, und es ist genau so wie beim Stabilitätsbeispiel ganz unzulässig - so wie das UdSSR-System selbst unzulässig war, mit manchem "Homosowjetecus" darüber zu streiten, ob dieses menschenfressende, -vernichtende und -versklavende System an einer Stelle etwas böser, an der anderen aber - wo z. B. doch manchmal möglich war, ein Stück Wurst zu ergattern und Bauch voll zu stopfen - etwas güter(!) und sogar besser als der Sozialkapitalismus Deutschlands mit all diesen unfreundlichen Menschenerscheinungen gewesen war. Wahrscheinlich dauern diese Diskussionen immer noch sogar unter den von der UdSSR zu Hälfte ausgerotteten und jetzt in Deutschland lebenden Russlanddeutschen deswegen an, weil in diesem sowjetischen Lande nicht einmal höchste Wissenschaftler-Akademiemitglieder die Qualitätsdefinition verstanden.

    Dieses Beispiel ist aber noch nicht abgedient und bleibt bei unserem Freundlichkeits-Thema. Als ich in einpaar Jahren danach meine Promotion an der Uni vor einem Wissenschaftlerrat von 22 Doktoren unter dem Vorsitz dieses Akademiemitglieds über die Bühne zu bringen hatte, war es mit der sowjetischen Freundlichkeit unter Kollegen vorbei. Ich konnte es nicht glauben, dass so ein sonst gar kein schlechter Wissenschaftler - der damals meine provokative (wie die obere in der Kneipe auch) Frage einfach ignorierte, sich durch die damalige kleinkarierte, kindische Kränkung führen ließ. Übersetzt bedeutete meine damalige Frage, die eigentlich keine war, nur so viel wie: "Ein Akademiemitglied muss auf so einer Bühne schon etwas mehr Wortdisziplin aufweisen und sich das nicht erlauben, was vielleicht ich als junger Wissenschaftler mir erlauben könnte, also auf die verkehrte Weise: "Quod licet Jovi, non licit bovi - was Jupiter (ich) darf, ist einem Bullen (dem Akademiemitglied) nicht gestattet!". Der Vorsitzende versuchte, meine Promotion - die sonstigen waren an sich wie ein Theaterstück in Erwartung des abschließenden Banketts - mit der Macht des Vorsitzenden zu torpedieren und durchfallen zu lassen.

    Da musste ich meine Arbeit wortwörtlich verteidigen und die anderen 22 Ratsmitglieder, die er auch zu erpressen versuchte, von meiner Arbeit überzeugen. Ich habe mit 20 gegen 3 Stimmen gewonnen. Im Unterschied zu Herrn Seehofer an dem CDU-Parteitag am Samstag, welcher das nicht schaffte und, wo so ein Vorsitzende durch Absprachen und Erpressungen noch vor der Wahl - vor diesem Demokratietheaterstück - alles entschied und damit die Demokratie, die menschliche Würde eines der wenigen echten und fühlsamen Demokraten - Horst Seehofer, von der netten armen Gabriele Pauli ganz zu schweigen, angetastet und mit Füßen betreten (da siehst du wieder, wie leicht die vor 25 Jahren in der UdSSR gemachten Erfahrungen mit etwas Verstand und Logik auf die gestrige Erfahrungen in Deutschland übertragbar sind).

    Als ich gestern zertrampelte Seelen und bewegte Gefühle von Herrn Seehofer und Frau Pauli bei Beckmann sah, erinnerte ich mich an mich und meinen zertrampelten Glauben an Menschen in den brutalen und gar nicht freundlichen Kämpfen für Perestrojka in meiner Zeit in Izschewsk. Und das war immer noch die UdSSR und nicht Deutschland. Damals musste ich alles Hinterhältiges und Erniedrigendes - was ich in menschlichen Verhältnissen so hasse - erleiden, bevor ich reif war, ganz abenteuerlich, ohne Aufnahmebescheid, nach Deutschland abzuhauen, worüber ich mich mit jedem Tag in diesen 17 Jahren, trotz aller Fragen und mancher Unfreundlichkeiten immer mehr freue.

    Gegen düstere Herbsttage kann ich dir nur mein Gedicht über Depression empfehlen.

    Liebe Grüße aus Berlin

    Viktor



  • Hallo Viktor,

    Es fällt mir nicht gerade leicht, dir zu antworten, da ich deine Ansichten nicht voll und ganz teilen kann. Zum Beispiel, wenn es um die aktuelle Auswanderung der Deutschen ins Ausland geht. Ich bin da nämlich einer geteilten Meinung darüber. Ich kann verstehen, wenn du sagst, du würdest diese Menschen aufgrund der eigenen Erfahrung (bzw. der unserer Vorfahren) nicht verstehen oder bemitleiden. Das stimmt, denn deren Erfahrungen waren gezeichnet von der größten Tragik und größtem Leid, die man sich nur vorstellen kann und sicherlich keinem wünscht.

    Aber die heutige Auswanderung geschieht unter ganz anderen Voraussetzungen und Begleitumständen wie die damalige, wo die Menschen fast ausnahmslos ums nackte Überleben zu kämpfen hatten. Die heutigen Auswanderer sind hochmotiviert, sie kennen ihre neue Heimat schon im Vorfeld aufgrund der vielen Urlaubsreisen oder sonstigem, viele von denen beherrschen die dortige Sprache und haben dort einen neuen Job in Aussicht. Außerdem sind sie nicht den Reisestrapazen ausgesetzt, wie die Auswanderer-Familien damals. Und selbst wenn sich der Traum von Auswanderung als ihr Albtraum herausstellen sollte, so bestehen immer noch die Rückkehroptionen zu den Verwandten nach Deutschland - ein einfacher Flug nach Good Old Germany, ganz im Gegensatz zu unseren Vorfahren, die allein schon wegen der geografischen Entfernung, der mühsamen Übersiedlung per Boot und Pferdewagen nicht in der Lage wären - physisch und finanziell (und damals vielleicht auch noch rechtlich) -, an die schnelle Rückkehr nach Deutschland zu denken.

    Die meisten Auswanderer bleiben ja im europäischen Raum bzw. in westlich-kapitalistischen Strukturen, die sich in vielen Lebensstandards doch sehr gleichen. Ganz im Gegensatz zu früheren Zeiten, wo die Auswanderung meist aus wirtschaftlicher und politischer Not geschah, und wo man sich den "Luxus" von heute - seinen Träumen zu folgen - gar nicht zu leisten vermocht hätte. Heute sind die Grenzen durchlässiger, man denkt internationaler, man kennt mindestens eine Fremdsprache, man reist aktiver und hat Zugriff auf alle möglichen Informationen, so dass man sich im Ausland gar nicht verloren füllen könnte, und schon gar nicht in Europa. Man ist freier in seinen Entscheidungen als früher. Außerdem hat jeder Mensch seine eigene Vorstellung von Heimat. Und wenn jemand jahrelang ohne Job gelebt hat und ohne das Gefühl, gebraucht zu werden, dann wird er vielleicht so richtig aufblühen im Ausland, wenn er seine Kenntnisse so richtig zum Einsatz bringen kann. Ein anderer macht vielleicht eine Umschulung oder entdeckt eine neue Seite an sich, ein nächster aber wird sich weltweit bewerben, um ein neues Leben führen zu können, um neue Menschen und Kulturen kennen und lieben zu lernen. Es passiert im Inneren und jeder entscheidet es für sich - es gibt so viele Meinungen und Wünsche wie es Menschen gibt.

    Auch bin ich mit deiner Meinung über die Kriegsursachen nicht ganz einverstanden. Dass der Erste Weltkrieg das Resultat der damaligen imperialistischen Weltpolitik war, ist mir auch klar. Alles hat seine Vorgeschichte, keine Krankheit entsteht einfach so von heute auf morgen. Auch der Erste Krieg hatte viele Ursachen - wirtschaftliche und militärische Konflikte imperialistischer Großmächte, der Deutsch-Französische Krieg von 1870-71, die dramatische soziale Lage der unteren Gesellschaftsschichten und einiges mehr. Dass sich Deutschland dem schwer entziehen konnte, und schon gar nicht unter der Führung eines solchen, nicht gerade an Weitsicht bedachten Kaisers, liegt auch an der Hand. Die Leidtragenden sind aber immer die Kleinen, das Volk, das als Kanonenfutter geopfert wird.

    Neulich gab es eine spannende Dokumentation auf Phoenix über den Ersten Weltkrieg. So scheint ein Krieg immer von der Wirtschaft (speziell der Kriegsindustrie) massiv gefördert, wie neulich in Jugoslawien oder heute in Irak oder Afghanistan (geschweige denn von unzähligen bewaffneten Konflikten in Afrika). Und damals machten Siemens, AEG und andere ihre satten Gewinne und testeten zudem ihre neuesten militärischen "Errungenschaften" (so etwa den deutschen Giftgaseinsatz), während sich die Soldaten gegenseitig abschlachteten. Die deutsche Malerei dieser Zeit (v.a. Otto Dix) spricht Bände und vergleicht die Schrecken dieses Krieges - ganz überspitzt formuliert - mit einer Art Apokalypse ("Kriegstriptychon" von Dix). Wer konnte da schon ahnen, dass sich vom deutschen Boden schon bald ein neuer Krieg ausbreiten würde?

    Mögen uns die wahren Ursachen des Zweiten Weltkriegs nicht in dem Maße bewusst sein, wie sie es sein sollten, oder mögen diesbezüglich immer noch "historische Lügen" herrschen, wie du es sagst, so kann man doch an bestimmten Tatsachen nicht zweifeln. Nämlich, dass die Naziherrschaft mit all ihren abscheulichen Verbrechen gegen die anderen Völker und Nationen (und "Rassen") mit nichts entschuldigt werden kann. Weder die hohen Reparationen, noch Gebietsabtretungen, noch die politische Schwäche des Völkerbunds oder die fehlende Sofortreaktion der Alliierten während der Besetzung Österreichs und Tschechiens seitens der Deutschen können diese Verbrechen rechtfertigen. Es war kein Krieg als solcher, es war ein auf Vernichtung ausgerichteter Wahn gegen die Zivilisation. Das ist meine Meinung dazu.

    Es ist natürlich für manch anderes Land bequem, seine ähnlich abscheulichen Verbrechen zu verleugnen und stattdessen mit dem Finger auf Deutsche zu zeigen, als sich öffentlich und konsequent dazu zu bekennen und es zu verarbeiten. Manch eine Großmacht? würde sich nicht minder "entblößen", würde sie sich öffentlich zu ihren Verbrechen gegen die Menschlichkeit bekennen und die Opfer entschädigen. Ich denke da an die Engländer in Indien, an die US-Amerikaner und die Sklaverei, an die Franzosen, Belgier und Holländer in ihren überseeischen Kolonien, ja selbst an die Römer in der Antike, und nicht zuletzt an Russland und seine politische Brutalität bis in die heutigen Tage.

    Das kann man aber auch psychologisch betrachten: Jede Aggression ist der Ausdruck unterdrückter Konflikte im Inneren. Wenn das Unbewusste uns damit überflutet und die so die Oberhand gewinnt, entfesselt das die triebhafte, die hässlich animalische Seite unseres Wesens, unter Ausschluss des Verstandes. Dabei ist doch jeder Schmerz ein Schrei unserer Seele, der verstanden werden will, der gelöst werden will wie ein Knoten. Je länger man das vernachlässigt oder gar verleugnet, desto mehr projiziert man den Schmerz, und damit die Aggression nach außen, auf die anderen, die Sündenböcke, die Schwachen, die sich nicht wehren können, die leichten Opfer. Geschieht es auf der politischen Ebene - vergleichbar mit Deutschland vor dem Zweiten Weltkrieg, so freut sich das Volk über den Tyrannen, der sie für all das Unglück rächt. Schaut man auf die Tyrannen selbst etwas genauer hin, so wird man bald feststellen, dass die meisten Nazi-Führer kaputte Persönlichkeiten waren, in ihren Berufen gescheiterte Leute, misshandelte Kinder, also eigentlich schwache, aber umso aggressiver gesinnte Charaktere - aber mit einer enorm ausgeprägten Geltungssucht, ja Größenwahn.

    Natalie

    Hallo Natalie,

    leider konnte ich dir nicht gleich antworten. Auch deswegen, dass deine tiefgründigen Gedanken auch einer tiefgründigen Antwort bedürfen und keines einfachen Hallos zwischendurch. Und dies bedarf seinerseits genug Zeit und geistiger Anstrengung.

    Zunächst einmal, es muss dir nicht schwer fallen, mir zu widersprechen: Es macht ja unsere Diskussion - wie jede andere auch - gerade interessant, wenn wir abweichende Ansichten haben. Besonders dann, wenn wir uns über die gleichen Dinge und aus den gleichen Gründen - unsere Welt zu verstehen und dadurch etwas besser zu machen zu versuchen - den Kopf zerbrechen.

    Außerdem hast du mich falsch verstanden, wenn du meinst, dass ich den Zweiten Weltkrieg oder die Nazi-Greuel rechtfertige, was mich - nach den heute herrschenden Standarten - gleich in der rechtsradikalen Schublade versiegeln und verstummen ließe. Ich verabscheu jeden der unzähligen - nicht ersten oder zweiten oder dritten - Kriege und verabscheue sinngemäß wie jeder normaler Mensch jeden der vielen auch nicht näher definierten Greuel, die - wie du richtig schreibst - immer in der Menschengeschichte sowie in privaten Menschenverhältnissen passierten und bis heute noch passieren, sodass man zurecht denken kann, dass diese der menschlichen Natur eigen sind und keineswegs nationalisiert oder privatisiert werden können. Damit ist es nichts getan oder sogar noch schlimmer, dies ist gerade diese Rechtfertigung aller Kriege und Greuel, wenn wir uns damit zufrieden geben, dass die zwei Kriege und damit verbundenen Greuel deutsche Nationalität haben bzw. etwas mit der typisch deutschen Erbkrankheit zu tun haben. Das es so weit ist, erkennst du in der heutigen Political Correctness: Kein Politiker darf keinen nach x-beliebigen Greueltaten mit Nazi-Politikern vergleichen oder selbst mit denen verglichen werden.

    Mir geht's dabei gerade um diese Erb-Frage. Ich bin sehr verantwortlicher Mensch - was allen Deutschen nach ihrer Scheißgeschichte mit dem Römischen Reich Deutscher Nation, wo ihnen die Verantwortung für die ganze katholische Welt und weniger für eigenes deutsches Land auf Jahrhunderte, die sie auch prägten, als "alte deutsche Kaiserwürde" auferlegt worden war, eher eigen ist - und als solcher Deutscher bin ich nicht bereit, fremde - wenn auch deutscher Ursprung - Verantwortlichkeiten zu übernehmen und schon gar nicht auf meine sowie alle deutschen Kinder und Enkelkinder weiterzuschieben. Solange ich mündig bin!

    Als ich es noch nicht war, musste ich diese übernehmen, wurde dafür von Geburt an bestraft und weiß deswegen wovon - von welcher Ungerechtigkeit - ich spreche.

    Ich betone dabei, dass ich als Deutscher und ein Opfer aus Sibirien keine Privileg für mich und meine Nachkommen verlange. Ich trug und trage dieses deutsche Ungerechtigkeitskreuz und verlange es abzulegen für alle Deutschen. Das ist die einfache nach dem Krieg pervers beantwortete Frage: In wie weit bzw. ob die Kinder für die Taten ihrer Eltern verantwortlich sind? Und meine Antwort auf diese Frage teilen viele in Europa - auch Intellektuelle, nun treffen sie, leider, in der Politik keine Entscheidungen. Das ist vor allem der Grund für viele Kriege und Greueltaten in der Geschichte, wie ich darüber in meinem Buch schreibe.

    Als Peter Scholl-Latour - selbst ein Opfer des Nazi-Regimes - in einem Fernsehensinterview dazu befragt wurde, hat er deutlich geantwortet, dass es ruhig einpaar mehr Nazi-Verbrecher nach dem Krieg verurteilt und hingerichtet werden konnten, aber es ist Unsinn, jetzt unter deutschen Kindern nach Schuldigen zu suchen. Der von dadurch gefallenen Möllemann als "untolerant, gehässig, überheblich" definierte Michael Friedman richtete dagegen über Deutsche in einem anderen Interview so, dass es sein sowie das des von ihm als Stellvertreter des Vorsitzenden vertretenden Zentralrates der Juden in Deutschland Anliegen sei, dafür zu sorgen, dass alle Deutschen in alle Zeiten dieses Kreuz werden tragen müssen! Wei&uszlig;t du, wenn ich so etwas höre, dann vergeht mit die Lust nach Philosophieren. Dann ist es mir - trotz meiner ganzen Intelligenz und Feinseeligkeit - danach, wonach allen Deutschen nach dem Versailler Vertrag war. Und es wird noch schlimmer, wenn ich meine Enkelkinder vor Augen oder in den Armen habe, über welche dieser ehrenlose, drogenabhängige, die Liebe zu slawischen Prostituierten aufweisende deutsche Jude ohne jede Liebe zu deutschen Kindern zu richten vermag.

    Du machst es richtig, so wie ich es auch mache, wenn du diese "Oberbegriffe" wie Weltpolitik, Weltkriege usw. personifizierst und einfach aus der Psychologie des Verhaltens jedes einzelnen Menschen heraus zu verstehen suchst. Kriege sind für Industrielle vielleicht nützlich, nur führen sie diese Kriege nicht. Sie beeinflussen Politiker, die Politiker verführen dann die Menschen und diese Menschen führen dann alle Kriege durch und schlachten einander ab. Um diese Menschen verführen zu können, schaffen die Politiker solche ideologischen Gründe, welche die Psychologie der Menschen zu dieser Zeit in diesem Land am besten trifft und das Böse in diesen Menschen erweckt. Und das Beste ist dabei, dass es immer die Gerechtigkeitsüberlegungen sind, die Menschen auch freiwillig in die Kriege treiben - die Politiker wissen nur diese Gerechtigkeitsfrage richtig darzulegen. Du schreibst, dass keiner nach dem Greuel des Ersten Stellungskriegs, in dem Millionen von Soldaten aller Nationalitäten in Schutzgräbern verreckten, ahnen konnte, dass der neue Krieg aus deutschem Boden bald wieder ausbricht. Doch, das wussten und wollten sogar die meisten von diesen am Leben gebliebenen deutschen Soldaten. Denn die Ungerechtigkeit des Friedenvertrages entwertete und entehrte den Opfertod aller ihren gefallenen Kameraden.

    Als Mann, der sich auch an manchen Männerbattagllien beteiligte, kann ich die Psychologie dieses Unsinns verstehen und dir sogar erklüren. Jeder Mann (ich weiche an der Stelle absichtlich von "jeder Mensch" ab) - so wie jeder Bulle in der Natur auch - will genau wissen, wo er mit seinen Kräften steht. In Schlachten untereinander wird es festgestellt, die für ihn in eindeutigen Siegen oder Niederlagen enden. Ist eine Niederlage wirklich - im Sinne von Kräftemessen - eindeutig, akzeptiert jeder Ehrenmann diese Niederlage und schenkt sogar Achtung seinem Widersacher-Sieger. Akzeptiert ihn - seinen Kampfmut und seine Kampfkraft -  der Sieger trotz dieser Niederlage, entsteht sogar echte Männerfreundschaft aus solchen Kraftmessungsschlachten. Wird diese Niederlage nicht eindeutig, von irgendwelchen Zufällen begleitet, sucht der dadurch nicht überzeugte und sich seiner Kraft sichere Mann so schnell wie möglich nach weitere Auseinandersetzungen genau mit demselben Gegner. Ist die Niederlage eindeutig, und entsteht danach keine auf dem gegenseitigen Respekt basierende Freundschaft, trainiert ein ehrenwerter Mann seine Kräfte und wartet auf den nächsten Zeitpunkt. Ist die Niederlage durch eigene Feigheit oder auch unfaire Kampfverhältnisse (verschiedene Gewichtklassen z. B.) verursacht, hasst der Verlierer seinen Gegner. Ist die Niederlage fair errungen, wird aber der Verlierer bei allem seinen Mut und bei aller seinen Kraft danach nicht respektiert, demütigt und misshandelt, akzeptiert er diese Situation nie und wird sich sogar bei fehlender Kraft dagegen aufzurichten versuchen.

    Diese Macho-Psychologie mag dir sehr blöd erscheinen, aber so ist sie, und diesen psychologischen Muster erkennst du nicht nur in allen Kriegen, sondern sogar in heutigen internationalen Verhültnissen. Warum, denkst du, die Vülker Deutschlands und Russlands nach diesem für die beiden so schrecklichen und opferreichen Krieg einander so respektieren, fast innerliche Freundschaft aufweisen und - dessen bin ich mir absolut sicher - unter keinen Umständen nochmals gegeneinander einen Krieg führen werden? Dazu gehören gewissermaßen die Völker der USA und Deutschlands auch. Warum entsteht endlich - nach mehreren gegenseitigen im Durchschnitt unentschiedenen Schnauzeputzen - eine echte Freundschaft zwischen Frankreich und Deutschland? Warum immer noch keine echte sondern Zwangsfreundschaft zwischen Deutschland und England, das sich von seinem britischen Empiremist immer noch nicht geheilt hat und trotz seiner heutigen Winzigkeit keinen größeren nebenan zu dulden versucht (der eigentliche Grund für den ersten Weltkrieg, der vehemente Auftritt der eisernen Lady gegen deutsche Wiedervereinigung, die Ablehnung der einheitlichen europäischen Währung, das Hängen an den USA als eine ex-koloniale englischsprachige imaginäre Vergrößerung der Britten). Warum der ewige Hass der Polen den Deutschen und den Russen gegenüber, denen jetzt von denselben Deutschen erlaubt wird, sich breit und wichtig in der EU zu machen und welche eigene antieuropäische Spielchen trotzdem mit Amerikanern  auch noch treiben? Warum so viel Unliebe (ich vermag es nicht, dies als Hass zu bezeichnen) von Belgiern und Holländern und sogar von unseren Ex-Verbündeten Italienern den Deutschen gegenüber, die sie sogar in Sport- und Freizeit- bzw. Urlaubsfragen freisetzen?

    Was die Auswanderung angeht, hast du mich nicht ganz bzw. zu direkt verstanden. Diese Frage kann und darf nur jeder Einzelner unter allen seinen persönlichen Umständen ganz allein für sich persönlich entscheiden. Darüber schreibe ich sehr schön auch im Schlussakkord meines Buchs. Es darf nur eben allgemein philosophisch darüber diskutiert und schon gar nicht darüber gerichtet werden.

    Wo du aber nicht rechthast, wenn du die ganze Problematik zu heutigen "technischen und gesellschaftlich-kulturellen Bequemlichkeiten" einer Umsiedlung ins Fremde reduzierst. Auch "unsere" Aussiedlung nach Russland ist nicht wegen anfänglichen Schwierigkeiten und Strapazen so tragisch - diese hatten die deutschen Übersiedler nach Amerika auch und jeder hat sie heute noch trotz aller modernen "Bequemlichkeiten". Und wirtschaftlich war sie noch mehr erfolgreich als die der Amerikaner. Das Desaster kam erst dann, als diese so nostalgisch-deutsche Autonomie der Deutschen in ihren wirtschaftlich und politisch immer stärker werdenden Kolonien vom russischen Volk und vom russischen souveränen, national und kulturell hochentwickelten Staat als etwas Fremdes und Bedrohliches empfunden wurde, so wie ein Virus oder ein fremdes Organ in menschlichem Körper empfunden und von eigenen Zellen empfangen wird. Du hast schon hier in Deutschland trotz deiner deutschen Ursprünge bereits erlebt - so wie ich es auch erlebt habe - was dies bedeutet, ein Fremder zu sein. So ist es überall - dies ist auch so aus dem Bereich der menschlichen Psychologie, basiert auf dem Selbsterhaltungstrieb. Diese Selbsterhaltung bedeutet, deine Wesensart zu erhalten und nicht durch fremde Invasionen - wenn auch der friedlichster Art - entzweigehen zu lassen.

    Bist du allein in der Fremde, ist das bitter einsam. Findest oder bildest du eine größere Gemeinschaft deiner gleichen, wirst du von Einheimischen bis zum Abkapseln und nachfolgenden Abstoßen - wie eben in einem gesunden, wehrfähigen Organismus - bekämpft. Die einzige Möglichkeit dem zu entkommen, ist es, sich zu diesem Volk und zu diesem Land zu bekennen und sich in der neuen Heimat schnellst assimilieren, statt sich eben als Fremdkörper zu integrieren und sich damit zu dissimilieren. Während dessen werden deine Artgenossen in deinem Heimatland durch die anderen ihre Gemeinschaften und autonomen Kolonien bildenden Eindringlinge entzweigehen. Und irgendwann hast du keine Heimat mehr, in die du zurückkehren kannst. Am besten vertretet diese These nun wirklich bereits von mir erwähnter Viktor Streck - Autor des Romans "Heimat ist ein Paradies", mit dem ich darüber auf dieser Seite unten ziemlich ausführlich diskutiere.

    Alles Gute,

    Viktor




  • Hallo Viktor!

    Die ganze Aufarbeitung der Vergangenheit ist deshalb gar nicht so einfach, aber auf jeden Fall spannend. Eigentlich wollte ich immer wissen, woher unsere deutsche Vorfahren genau stammen, vor allem nachdem wir nach Deutschland kamen. Aber ich musste wohl dazu erstmal reifen, um das auch richtig in Angriff zu nehmen. Und jetzt, wo man im Fernsehen solche Dokumentationen wie etwa 'Mein neues Leben XXL' oder 'Goodbye, Deutschland' sieht, da denke ich verstärkt über das Thema der Auswanderung nach. So einiges an Fantasien geht dabei durch den Kopf, z. B. wie wäre unser Leben verlaufen - und auch das der anderen Völker -, wenn es die zwei Weltkriege nicht gegeben hätte? Sie sind ja weitgehend die Ursache des ganzen Leidens. Das Tragischste daran auch, dass sie jedes Mal von Deutschland ausgingen.

    Was ich gerne wissen würde: Wann hast du eigentlich mit dem Schreiben deines Romans angefangen? Noch in Russland? Oder nach der Ausreise in die BRD? Das Werk ist voller historischer Fakten und verbindet sehr gut das Biografische mit der Geschichte. Woraus ich meine Informationen zum Thema schöpfte, waren zum einen das Internet, zum anderen Bücher von H. Rothe (Hrsg.) "Deutsche in Russland", B. Meissner u.a. "Die Russlanddeutschen, gestern und heute", A. Eisfeld "Die Russlanddeutschen", B. G. Längin "Die Russlanddeutschen unter Doppeladler und Sowjetstern". Das letzte Buch enthält sehr viele alte Fotos, ist wirklich schön anzuschauen.

    Viele Grüße.

    Natalie

    Hallo Natalie,

    Deine Überlegungen sind sehr wichtig. Die Deutschen, die heute aus Deutschland auswandern, kann ich nicht beurteilen, aber ich verstehe sie nicht und bemitleide sie aus der ganzen Erfahrung unserer "Wanderschaft". Dieses Thema "deutsche Heimat" haben wir mit Viktor Streck (Autor des Buches "Heimat ist ein Paradies") unten auf dieser Seite in meiner und seiner Rezensionen ausführlich ausdiskutiert.

    Die Behauptungen, dass Deutsche an beiden Weltkriegen schuld waren, und dass Deutschland den Ersten sowie den Zweiten Weltkrieg entfesselte, sind historische Lügen, die aus mehreren Gründen bis heute verbreitet werden, obwohl heute darüber endlich immer mehr diskutiert wird. Der Sinn meines Romans besteht gerade darin, dies in Frage zu stellen. Der Erste Weltkrieg war ein Resultat der allgemeinen Weltpolitik, die alle betreiben, aber keiner am Ende weiß, wer sie eigentlich betreibt. So bekommt diese bei Menschen eine übergeordnete, fast göttliche Geltung als Etwas, was unsere menschlichen Schicksale bestimmt und von uns gar nicht beeinflusst werden kann. Dies ist noch eine fatale Lüge und ein Irrtum, die nur für Betreiber dieser Weltpolitik günstig sind. Abgesehen davon, es ist immer unproduktiv und führt zu weiteren Kriegen oder verschafft Voraussetzungen für solche, immer wieder nach einem Schuldigen nebenan zu suchen, anstatt objektive Ursachen jedes Krieges in eigenem Zuständigkeitsbereich - wo du auch selbst etwas verändern kannst - zu analysieren und abzuschaffen, wie dies jetzt die Länder der EU machen.

    Deutsch zu sein, ist auch eine komplexe Frage, die ich ebenfalls in meinem Buch, in meinem Szenario und in meiner Weihnachtsrede, aber auch in meiner Statistik "Russlanddeutsche in Ausländerhass eingeklammert" behandle. Für mich ist es eine Ehre, die mit dem Bewusstsein zusammenhängt, nicht nur die heutigen, sich  unerwartet ergebenen Vorteile dieses Status zu genießen, sondern auch seine weniger vorteilhaften Bürden als dein eigenes Kreuz zu tragen zu verstehen und womöglich, diese zu erleichtern oder sogar endlich abzulegen, was ich als ein mündiger Deutscher meinen Kindern und ihren Kindern schulde. Und die Frage "Was wäre, wenn...?" gibt es in der Geschichte nicht, sie ist sogar unzulässig. Wir haben genug damit zu tun, was heute ist.

    Mein Buch schrieb ich im Sommer 2002, als ich nach der Schließung meiner Firma dazu die Zeit bekam. Alle Literaturquellen sind in meinem Buch? in Fußnoten angegeben. Sehr informativ - bezüglich der Deutschen aus Russland - sind die Arbeiten von? Prof. Ingeborg Fleischhauer.

    Denke und schreib' weiter

    Grüße

    Viktor



  • Hallo Viktor!

    Habe wieder einige deiner literarischen Seiten gelesen, u. a. über den Herrn Kurnaz und Schock-Fotos. Es beeindruckt mich wirklich sehr, ich denk mir, ich würde "taz" oder eine ähnliche freigeistig-tiefsinnige Presse lesen.
    Noch mal ein großes Kompliment!

    Natalie Uspenski, Kiel

    Hallo Natalie,

    nochmals ein großes Dankeschön für deine zum weiteren Schreiben sehr ermutigenden Worte.

    Viktor



  • Herr Prieb

    Ich habe soeben Ihre spannenden Internet-Seiten gelesen - ein großes Kompliment! Sehr lesenswert!

    Mit freundlichen Grüßen aus Kiel,

    Natalie Uspenski

    Hallo Natalie,

    danke fürs Kompliment - gehört auf diese Seite!

    Viktor



  • Hallo Viktor,

    ich habe mir meine Rezension auf deiner Internet-Seite angeschaut. Alles in Ordnung.

    Unsere übrige Korrespondenz kannst du natürlich auch benutzen. Ich würde mich aber freuen, wenn du den diskussionsbezogener Teil aufnimmst (zum Beispiel meine Ausführungen über den Begriff Heimat usw.)

    Ich bin momentan auch ziemlich unter Druck geraten und komme nur selten zur Ruhe. Damit muß man leben. Trotz dem werde ich versuchen, unsere Diskussion am Leben zu halten. Nächste Woche versuche ich noch ein paar Gedanken zu deinem Buch aufzuschreiben.

    Danke auch für die Erwähnung meines Buches "Heimat ist ein Paradies".

    Viktor Streck aus Bad Pyrmont

    Hallo Viktor,

    meine Rezension zu deinem Buch habe ich soeben auch getrennt veröffentlicht und hier verlinkt.


    Grüße

    Viktor Prieb

  • Kommentar zu meinem bei e-Stories.de veröffentlichtem Gedicht "Der Zweifel an der Liebe"

    Hallo Viktor, hast du gut beschrieben, die Wirren der Liebe.

    Wünsche dir viel Freude beim Schreiben.

    Heidemarie Rottermanner

    Danke fürs Mitfühlen, liebe Heidemarie.

    Wünsche dir meinerseits viel Freude beim Lieben!

    Viktor




  • Hallo Viktor,

    anbei eine leicht abgeänderte und ergänzte Fassung meines Schreibens:

    Wenn man die letzte Seite deines Buches gelesen hat, begreift man deutlicher denn je, daß das Leben eines denkenden Menschen ein immerwährender Versuch ist, die eigene Vergangenheit im weitesten Sinne des Wortes zu ergründen; sein Leben nicht auf die biologischen Notwendigkeiten des Augenblicklichen zu begrenzen, sondern den Horizont weiter zu spannen, im dichten Nebel den längst verhallten Jahrhunderten nach den Spuren seiner Vorfahren zu suchen, um sie zu verstehen und letztendlich zu erkennen, wer wir sind.

    Dein Buch hat mir gefallen. Besonders die deutliche Verknüpfung mehrerer Generationen zu einer untrennbaren, schicksalhaften Einheit, was nicht immer und nicht für jeden in unserer Zeit selbstverständlich ist.

    Ich hoffe nur, daß du im zweiten Teil deines Buches, das vielversprechend mit dem Titel "Ihr und wir" versehen wurde, genau so ehrlich die deutsche Gegenwart beschreibst und versuchst, die Wege in die Zukunft zu ergründen. Ohne dabei den geistigen Schatz unserer Vorfahren, das seit Jahrhunderten (oder gar seit Anbeginn der Zeiten) Bewährte kurzerhand beiseite zu schieben und es für überholt, einer anderer Epoche gehörend, realitätsfremd usw. zu erklären.

    >Ich hoffe, daß du diese schwierige Aufgabe so ehrlich wie vor Gott selbst begehst, als würden dir dabei deine Vorfahren aus unzähligen Generationen mit gutem Rat zur Seite stehen.

    Was würden sie, die Leidgeprüften und zugrunde Gerichteten, dir aus ihrer Erfahrung sagen? Besteht die Quintessenz dessen, was sie erlebt haben, etwa nicht darin, daß der Mensch nur eine einzige wahre Heimat haben kann, eben die, wo sein Volk lebt?

    Der verzweifelte zweihundertjährige Versuch unserer Vorfahren, im Lebensraum eines anderen Volkes eine zweite Heimat, ein kleines deutsches Paradies zu erschaffen, scheiterte letztendlich. Für diese Erfahrung haben die Deutschen in Rußland mit einem schrecklichen Blutzoll bezahlen müssen. Und dieses Scheitern ist nicht nur auf die zwei Weltkriege und die Machtergreifung der Bolschewiken zurückzuführen.

    Die Katastrophe hat tiefere Gründe. Viele Historiker versuchen immer wieder aufs neue, für dieses Scheitern objektive Ursachen zu finden, und verkennen dabei hartnäckig die Tatsache, daß zwei (obgleich sehr verwandte) Völker mit so unterschiedlicher Psychodynamik unmöglich in einem Raum leben können. Denn schon in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts wurde es deutlich, daß das deutsche Wesen mit seiner kreativen, unermüdlichen Schaffenskraft früher oder später das wirtschaftliche Leben des russischen Riesenreiches restlos beherrschen würde.

    Daher auch die Gegenreaktion des russischen Volkes, die nur in diesem einen Punkt begründet liegt und die gerade aus diesem einfachen Grunde dem russischen Volke letztendlich auch nicht verübelt werden kann. Daher auch die Abschaffung der Privilegien für die deutschen Kolonisten in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts, daher auch die unmenschlichen Liquidationsgesetze des Jahres 1915. Nicht der erste Weltkrieg war die Ursache dafür. Er war nur der Auslöser, der Beschleuniger dessen, was in der Luft lag und nicht mehr aufzuhalten war. Viele rußlanddeutsche Historiker berichten mit Stolz davon, daß den Deutschen in Rußland bereits damals 14 Mio. ha Ackerboden gehörten (allerdings ohne auf die Folgen einer solchen Tatsache einzugehen).

    Daher auch die Gründung der Behörde für die Bekämpfung der deutschen Übermacht. Und diese Entwicklung hätte durch die unbändige deutsche Geschäftstüchtigkeit eine ungeheuere Dynamik entwickelt, die früher oder später auch ohne Kriege zu einer Katastrophe führen sollte. Kein Volk ist bereit zu akzeptieren, daß die zur damaligen Zeit maßgebende Landwirtschaft und die Wirtschaft von Fremden beherrscht werden. Denn jeder vernünftig denkende Mensch ist imstande vorauszusehen, daß diese Entwicklung bereits in wenigen Jahrzehnten auch bei der Zusammensetzung der Eliten eine entscheidende Rolle spielen würde.

    Wie gut und sanftmütig die deutschen Kolonisten auch sein mögen, wären sie unter diesen Umständen nur als Unterdrücker wahrgenommen worden. Und da hilft uns kaum die unendliche Aufzählung ihrer tatsächlichen Verdienste. Denn jedes Volk ist bestrebt, die in seiner Vorstellungen verankerte Lebensweise zu verwirklichen. Dieser Traum von eigener Heimat, diese hingabevolle Sehnsucht sind von einem ehrlichen Gefühl begleitet, diese große Familie zu schützen. Es ist mystischer Natur und kann nur von eigenen Landsleuten verstanden werden. Heimat ist die Zielrichtung aller Hoffnungen, sagte zu Recht ein jüdischer Philosoph.

    Ich bin bereit, dieses Gefühl bei jedem Volk zu respektieren und achten und mich nicht zu einem Richter zu erheben, auch wenn deine und meine eigenen Verwandten darunter so qualvoll gelitten haben.

    Wenn ich richtig deinen Roman verstanden habe, sind wir zumindest in einem Punkt einig: wir sind wieder in der Heimat angelangt und haben den unendlichen Kreis endlich geschlossen. Ich hoffe, daß dies alles nicht umsonst war; daß unsere Nachkommen die schmerzhafte Erfahrung ihrer Vorfahren nicht vergessen werden; daß sie dieses Glück, in ihrer wahren Heimat leben zu dürfen, nicht leichtfertig verspielen und es nicht als etwas Selbstverständliches empfinden, sonder als etwas, was von ihren Eltern teuer erkämpft wurde.

    Denn diese Heimkehrer haben die letzten verbliebenen Brücken abgebrochen, das Bißchen aufgegeben, worauf sie so stolz waren und das ihnen noch einen Gefühl gab, trotz aller Widrigkeiten des Lebens, zumindest etwas erreicht zu haben. Die meisten von ihnen kamen mit der stillen Hoffnung, ihren Kindern das zu geben, was ihnen selbst in der Jugend versagt wurde: das große Glück in der Mitte ihres Volkes leben zu dürfen, gemeinsam mit ihm zu leiden und sich jedem, auch noch so kleinem Erfolg aufrichtig freuen.

    Und daher empfinde ich dein Buch (unabhängig von deiner eigenen Intension) als einen großen Beitrag zum Verständnis unserer Geschichte. Es wird bestimmt nicht nur für die Deutschen aus Rußland interessant, sonder auch für die Einheimischen. Denn viele von ihnen leben unter dem von den Massenmedien vermittelten Eindruck, es wäre möglich, Völker unterschiedlichster Glaubensrichtungen und Kulturkreise unter einem Dach in einem Paradies auf Erden zu vereinen.

    Die Kommunisten wollten es auch und ertränkten zu diesem Zweck die Menschen (die sie angeblich beglücken wollten) in ihrem eigenen Blut. Die USA leuchteten kurz auf und steuern nun unaufhaltsam auf das gleiche Schicksal zu, das einst auch die UdSSR ereilt hatte. Das ethnische Auseinanderfallen der Vereinigten Staaten ist nicht mehr aufzuhalten. Denn sie verkannten eine einzige simple Wahrheit, daß das Paradies eines Menschen in Wirklichkeit nicht weit von ihm liegt. Man muß nur die Hand ausstrecken! Es ist seine Heimat! Und wenn man sie verspielt oder gar verleugnet, so wird die aufrichtige Reue nicht lange auf sich warten lassen.

    Zu deinen Ausführungen zum Glauben:
    Auch ich bin aus der evangelischen Kirche ausgetreten, denn ich sehe in ihr eine Institution, die vollständig von dem Zeitgeist beherrscht wird. Man kann unter ihrem Dach alles Mögliche vorfinden: dekadentes Versinken im Absurditäten, die sie von Gott zum Teufel bringen (ohne das sie es von lauter Klugheit selbst merken), oder auch die primitivste Zurschaustellung eigenes Gutmenschentums. Dabei meine ich natürlich nicht unser gutes Volk, das nach wie vor gutgläubig oder schweigend alles hinnimmt.

    Sondern die breite Schicht der Nutznießer dieser Institution, die fast zu jeder Zeit auf der Seite der Herrschenden standen, ob im Guten oder im Bösen. Wobei ich heute mehr Positives in der Mitte der katholischen Kirche sehe. Nicht in ihrer Geschichte natürlich, sondern in ihrem hartnäckigen Bestreben, das Gute, das Unvergängliche zu bewahren. Nur hier sehe ich noch den guten Willen, die verbliebenen christlich-abendländischen Werte wirklich zu verteidigen. Aber auch dieses Urteil beruht auf meinen bescheidenen Kenntnissen der katholischen Kirche.

    Christ zu sein, ist nicht unbedingt die Zugehörigkeit zu einer institutionellen Kirche. Es ist vor allem ein fester Glaube an einen lebendigen Gott, der die Menschen nach seinem Ebenbild schuf und seinen Sohn Jesus Christus Mensch werden ließ, um seinen irdischen Kindern Hoffnung und Trost zu geben. Dieser Glaube hat unseren Vorfahren Kraft gegeben, das Unmenschliche zu ertragen, auch noch dort am Leben zu bleiben, wo wir vielleicht schon längst aufgegeben hätten.

    Wenn ich diese Zeilen schreibe, steht mir meine Oma vor Augen, wie sie - mehr tot als lebendig - bescheiden auf ihrem Bett saß und in ihrem einzigen kostbaren Schatz, in ihrer alten Bibel las.

    Nur noch dieses Buch und das letzte winzige Foto meines Opas, der mit 44 in Workuta an Tuberkulose dahingeschieden war. Wenn sie auf ihr Leben zurückblickte, sah sie nur noch einen trostlosen Trümmerhaufen, unter dessen Last keine Hoffnung hätte keimen können. Nur ein hingabevoller Glaube an einen lebendigen Gott, denn sie liebevoll Heiland nannte, konnte so viel Kraft geben. Kein philosophischer Ansatz über den Allmächtigen, sondern ein lebendiger Glaube. Wir müssen versuchen, im einfachen Glauben das Gute zum Leuchten bringen. Und wenn Gott am letzten Tag in unsere Herzen blickt und dort mehr Gutes sieht, so wird er uns den Rest bestimmt verzeihen und uns als seine Kinder erkennen.

    Das sind nur einige Gedanken zu meinem Begriff des christlichen Glaubens. Es gibt natürlich unendlich viele Fassetten bei diesem Thema. Doch darüber ein anderes Mal.

    Viktor Streck


    Hallo Viktor,

    für deine erweiterte Rezension bedanke ich mich ebenso herzlich. Leider fehlt mir die Zeit unser Kontakt mit der Intensität aufrechtzuerhalten, die ich mir selbst wünsche. Die Unterhaltung meiner Internetseiten nimmt mir viel Zeit weg: Ich bekomme immer mehr Anfragen zu meinem Forschungsservice, auf die ich reagieren muß, wenn sie letztendlich auch nicht zu einem Auftrag führen; zu meinen Genealogieseiten, die zu gar nichts führen, aber ich versuche den Interessenten doch zu helfen, soviel ich kann. Dies ist also als meine Entschuldigung zu verstehen, dass ich mir so viel Zeit gelassen habe, um meinen Dank auszusprechen.

    Deine ausführliche Rezension schien mir ihrer Größe nach, nicht in die Leserreferenzen bzw. Leser-Autor-Forum zu passen, deswegen veröffentlichte ich sie getrennt als "Rezension von Viktor Streck" und verlinkte sie auf der Seite über mein Buch "Der Zug fährt ab". Unsere sonstigen Diskussionen versuche ich dann, doch unter "Leser-Autor-Forum" zu verfassen. Davor hätte ich natürlich gerne deine Meinung dazu, was aus diesen Ausführungen nicht unbedingt veröffentlicht werden muß.

    Liebe Grüße auch an deine Familie und alles Gute

    Viktor Prieb




  • Hallo Viktor,

    natürlich kannst du es tun. Nur mußt du dabei berücksichtigen, daß diese Rezension für dich geschrieben würde. Das heßt, daß ich viele Sachen, die eigentlich für einen normalen Leser nur wenig Bedeutung haben, zu deutlich gemacht habe. Dies betrifft vor allem die ein paar Bemerkungen, die einen negativen Beigeschmack haben. Sie sind für dich geschrieben und freundlich gemeint. Ob Sie auch von den Lesern so verstanden werden, weiß ich nicht.

    Wenn ich eine Rezension für die Leser geschrieben hätte, wäre sie anders ausgefallen. Denn ich würde dein Buch gerne als sehr lesenswert weiterempfehlen. Nicht nur, weil ich dir damit schmeicheln möchte. Auch wenn ich einiges auszusetzen habe, ist der allgemeine Eindruck durchaus positiv.

    Wenn du willst, kann ich diese Rezension selbst korrigieren und erweitern.

    Mit freundlichem Gruß aus Bad Pyrmont

    Viktor Streck

    Hallo Viktor,

    es ist selbstverständlich so gemeint, dass die aus privatem Briefwechsel entstandene Meinungen über mein Buch nur vom Privaten befreit veröffentlicht werden. So war es auch mit Andreas Zilly - ein noch junger, aber sehr reifer und intelligenter Schwabe, den ich während meiner einwöchigen Aufenthalt und Arbeit an der FH-Pforzheim vor einem Jahr kennen lernte und ihm mein Buch schenkte. Er hat übrigens manche meine Wortwahl wie du auch kritisiert.

    Auch seine Glaubensansichten sind deinen sehr ähnlich und für mich sehr interessant, weil ich überzeugt bin, dass der Glaube, die Liebe und die Hoffnung der Beginn und die Grundlage alles Menschlichen ist. Nur versuche ich dies philosophisch zu betrachten und suche nach dem von institutionellen (kirchlichen), sich historisch als verbrecherisch und pharisäisch für mich erwiesenen Einflüssen befreiten, "eigenen" Glauben.

    Natürlich ist es viel interessanter, wenn du diese Rezension selbst korrigierst und erweiterst, was nicht bedeuten muss, dass du die voll berechtigten kritischen Momente auslässt. Sie sind sehr nützlich für mich und provozieren vielleicht die anderen Kritiker an mich doch zu schreiben, die es sich bis jetzt noch nicht trauen.

    In unserem Meinungsaustausch werde ich natürlich auch Bezug auf dein Buch nehmen und damit vielleicht ein paar Leser darauf aufmerksam machen. Ich habe immerhin bis zu 160 Besucher täglich auf meinen Seiten.

    Ich habe mich übrigens bei e-stories angemeldet und einige meiner Gedichte und Geschichten dort veröffentlicht.

    Viktor Prieb




  • Kommentar zu meinem bei e-Stories.de veröffentlichtem Gedicht "Die Liebe als Leben"

    Hallo Viktor,

    weitumfasst diese eine Liebe, doch gibt es noch soviel mehr zu lieben, angefangen bei sich selbst, Eltern, Geschwister, Kinder, Freunde, Menschen, die Schöpfung und von Gott ganz zu schweigen. viele Arten der Liebe gibt es.

    Liebevolle Grüße an dich

    Regina Schlöpker-Richt

    ...! Was du nicht sagst, liebe Regina!

    Viktor




  • Kommentar zu meinem bei e-Stories.de veröffentlichten Gedicht "Die Liebe als Leben"

    Ein sehr schönes Gedicht was du da geschrieben hast. ich wünsche dir noch viel spass beim schreiben.

    Gruß

    cüneyt gierow

    Lieber Cüneyt,

    danke fürs Kompliment an mein Gedicht!

    Da du selbst Gedichte zu schreiben versuchst, kann ich es dir verraten, woran die Schönheit dieses Gedichts liegt: Ganz einfach an der Poesie. Die Poesie ist ja die Musik eines Gedichtes, die leider in meisten heutigen Dichtungen - auch auf dieser e-stories-Seite - nicht zu finden und nicht zu hören ist: Das, was Herrn Puschkin zu Puschkin und Herrn von Goethe zu Goethe machte, wird heute auch noch mit arroganten und laienhaften Bemerkungen darüber ignoriert, dass nicht das Reimen sondern die Gefühlsfülle ein Gedicht auszeichnet (dabei werden Verben in ihrer Infinitivform von diesen Ignoranten doch tüchtig gereimt, was dem fehlenden  mathematisch-präzisen musikalisch-poetischen Klang auch nicht weiterhilft).

    Das Geheimnis ist  dabei, dass gerade diese Gefühle die Musik in dir gebären, die dich dann zum poetischen "Durchfall" aus gereimten und schönen Worten und musikalisch-poetischen Sätzen buchstäblich zwingt. Fehlt diese Melodie in einem so eilig zum Gedicht erklärten Worthaufen, sind die Gefühle darin nur vorgetäuscht, was auch der sich weit verbreiteten Gefühllosigkeit bzw. den sexuellen Ersatzgefühlen statt der waren, dich erhebenden, bereinigenden und opferbereit machenden Liebe entspricht.

    Heutzutage mangelt es uns nicht an Poeten, sondern an echten tiefgründigen Gefühlen.

    In dem Sinne wünsche ich dir viel Leidenschaft und somit Erfolg in deinen Schreibversuchen.

    Viktor




  • Hallo Viktor,

    soeben habe ich dein Buch zu Ende gelesen. Es hat mir wirklich gut gefallen, auch wenn ich punktuell einige Vorbehalte habe. Diese Vorbehalte sind aber nicht grundsätzlicher Natur. Es sind eher Eindrücke und Anregungen, die ich teilweise bereits auf dem Papier formuliert habe.

    In der Anlage findest du einige Gedanken zu deinem Buch, die ebenfalls nur meine persönlichen Eindrücke sind.

    In den nächsten Tagen versuche ich, ausführlicher auf einige Punkte einzugehen.

    mfG
    Viktor Streck

    Hallo Viktor,

    Für deine Referenz zu meinem Buch bedanke ich mich recht herzlich. Darf ich sie auf meiner Literaturseite unter Leserreferenzen veröffentlichen? Ich melde mich demnächst wieder.

    Bis dahin alles Gute

    Viktor Prieb



  • Hallo Viktor,

    danke für deine Meinung und Anregungen. In den Ostertagen schreibe ich dir unbedingt meine Stellungnahme. Auch zu deinem Buch. Ich habe bereits fast alles durchgelesen und bin dabei, die ersten Gedanken dazu zusammenzufassen.

    Bis dahin wünsche ich dir und deiner Familie ebenfalls frohes Ostern und schöne Tage.

    Viktor Streck

    Hallo Viktor,

    in der Anlage findest du meine Ausführungen zu deinem Buch, die nur zur Diskussion einladen sollen.

    Melde dich: Nach der Lektüre deines Buches gibt es eine Menge zu besprechen.

    Frohes Osterfest und erholsame Festtage wünsche ich dir und deiner Familie

    Viktor Prieb




  • Hallo Viktor,

    vielen Dank für eine sehr ausführliche Antwort.

    Das, was du in Bezug auf Suworow schreibst, ist teilweise nicht zu bestreiten. Seine publizistischen Angriffe nach allen Seiten sind bekannt. Man darf aber nicht übersehen, daß er an vielen Stellen absichtlich provoziert, um auf diese Weise Aufmerksamkeit zu erwecken. Ich persönlich lehne diese Art von Auslassungen entschieden ab. Doch bei allen unangenehmen Äußerungen von Suworow, muß anerkannt werden, daß er der beste Fachmann auf dem Gebiet der sowjetischen Kriegsvorbereitungen war und bleibt. Kein Wissenschaftler kennt sich besser in der Entwicklung der Panzerwaffe in der Welt als er.

    Das ist eine unbestrittene Tatsache. Die deutschen Panzer waren veraltet nicht so sehr wegen dem Alter, sondern in Bezug auf ihre Konstruktion. Die Panzerung, Motorleistung, Antrieb und Bewaffnung waren hoffnungslos für den modernen Kampf ungeeignet. Geschweige denn für den Kapmf gegen die russischen KW und T-34, die die UdSSR bereits damals in beträchtlichen Mengen besaß.

    Die Erfolge der Wehrmacht sind gerade deswegen so beeindruckend gewesen, weil sie zwei Wochen vor der endgültigen Aufstellung der sowjetischen Truppen zugeschlagen hat. Da die sowjetischen Truppen sich in der reinen Angriffsstellung befanden und nichts für die Verteidigung unternommen hatten, wurden sie auch so vernichtend geschlagen. Übrigens haben die Deutschen im daraffolgenden Kampf mit der zweiten strategischen Staffel die russischen Kanonen und Panzer reichlich benutzt, da die eigenen Kanonen noch aus dem ersten Weltkrieg stammten, die zwar modernisiert wurden, doch im wesentlichen veraltert waren.

    Außerdem war einer der entscheidenden Punkte in dieser Phase des Krieges der Kampfgeist der deutschen Truppen. Auf diesem Gebiet war die Wehrmacht haushoch überlegen. Auch in der Kriegskunst natürlich, die voll zum Tragen kam.

    Der Verdienst von Suworow liegt darin, daß er die sowjetische Wissenschaft dazu buchstäblich gezwungen hat, die Angaben über die ungeheuere Zahl der russischen Panzern (ca. 25.000) zuzugeben. Er war auch derjenige, der die Öffentlichkeit auf dieses Problem aufmerksam gemacht hat, obwohl die Präventivschlagthese an sich nicht neu war. Alles andere interessiert mich herzlich wenig.

    Grundsätzlich interessiere ich mich für jeden wissenschaftlich argumentierten Sachverhalt, auch wenn er von einem ausgesprochenen Menschenfeind vorgetragen wird. Seine Person kann in moralisch-ethischen Abhandlungen unter die Lupe genommen werden, doch nicht in einer sachlicher Diskussion.

    (Übrigens träumt Herr Suworow jeden Tag davon, zurück nach Rußland zu kommen. Nur wurde er dort zu Tode verurteilt. Zwar wurde der Todesurteil in den letzten Jahren in die lebenslange Haft umgewandelt, doch auch dies ist für ihn aus verständlichen Gründen keine Alternative.)

    Genau so verhält es sich mit der Frage nach der Schuld der Deutschen, die nicht nur in Europa, sondern auch außerhalb zu einer neuen Religion wird.

    Einer Religion im mittelalterlichen Sinne, wo es wachsam darüber gewacht wird, daß jede mehr oder weniger bedeutsame Persönlichkeit des öffentlichen Lebens dieses Religionsbekenntnis unmißverständich und doktrinär nach außen vorlebt. Allein die bloße Ablehnung einer historischen Tatsache wird hierzulande mit fünf Jahren Gefängnis geandet. Unanbhänig davon, ob diese historische Tatsache wirklich wahr ist oder nicht, sehe ich an diesem Beispiel einen rasanten Verfall der Gesellschaft in die förmliche Barbarei, die kein Beispiel in der Geschichte hat. Ausgenommen vielleicht die bereits angesprochene Zeit der heiligen Inquisition.

    Doch während die einen es für eine Episode in der europäischen Geschichte halten, die ihrer Meinung nach schon in der absehbaren Zukunft von selbst bereinigt wird, vertrete ich die Meinung, daß wir am Anfang eines dreisten Versuchs stehen, die Demokratie auf eine feine, subtile Art und Weise außer Kraft zu setzen.

    Was hätten wohl die Politiker wie Stresemann, Kurz Schumacher, oder auch Philosophen wie Spengler gesagt, wenn Sie auferstehen und erfahren würden, daß die deutsche Bundeskanzlerin, die Vorsitzende einer christlichen Partei sich im Ernst mit dem Gedanken spielt, das Existenzrecht von Israel in das Parteiprogramm der CDU zu verankern. Er würde mit letzter Sicherheit sagen, daß eine Republik, die eine solche Person nicht gleich nach dieser Äußerung ihres Amtes enthoben hat, kaum noch zu retten sei. Denn wenn dieser Unsinn mit den Argumenten der Hypermoral zu erklären ist, so kommt bestimmt bald die Zeit, wo ein anderer übereifriger Schleimer mit dem Vorschag kommt, die echten Pilgerwanderungen nach Jerusalem anzutreten. Und zwar barfuß und ohne Verpflegung, um auf diese Weise eigene moralische Kraft noch farbiger zum Ausdruck zu bringen. Warum nicht? Denn auch diejenige, die es für dumm halten würden, werden schweigen.

    Bis dieser neue Ritual in unserem Leben festen Platz findet. Dann wird das Ganze für die meisten wiederum nicht mehr so blöd erscheinen. Genau so wie heute die Vorschläge von Frau Merkel niemanden auf die Barrikaden zwingen. Und dann beginnt wieder alles von vorne. Dann werden die Moralapostel darüber wachen, wer und wie oft an diesen Pilgerfahrten beteiligt und wer keinen besonderen Eifer an den Tag legt. Bis diese Kriterien schließlich eine bestimmte Rolle in der Einschätzung der betreffenden Person werden.

    Dieses Schema, bei aller Primitivität des Vorgangs, funktioniert einwandfrei. Besonders in einer Verbrauchergesellschaft, die keine idealen Werte mehr hat und deren Bildungsstand den früheren Jahrhunderten weit unterlegen ist.

    Die Verfestigung der europäischen Union in ihrer heutigen Form ist ein wichtiger Schritt in diese Richtung. Denn so bekommt die Obrigkeit eine unübersehbare Macht. Falls in einem Land der EU sich Widerstand gegen ihrgendwelche Angriffe auf die Freiheiten der Bürger formieren wird, werden sie sich ohne Bedenken der alten Vorurteilen bedienen und den Rest sehr leicht gegen das betreffende Volk aufhetzen. (Das Beispiel Österreich demonstrierte uns, wohin die Reise gehen würde, wenn Brüssel wirklich Macht erlangt).

    Ich wiederhole es noch einmal, die EU wurde aus anderen Gründen ins Leben gerufen. Und auch die Europäische Zentralbank mit seiner Währung ist das Ergebnis anderer Überlegungen. Der in London lebende russische Schriftsteller Wladimir Bukowski verfügt über erstaunliche Dokumente, die aus den russischen Geheimarchiven gestohlen wurden. Ich habe sie gesehen. Wenn wir einmal zusammenkommen, zeige ich dir einige davon. In diesem Punkt fühle ich mich imstande, meine Position zu begründen.

    Was die Deutschen aus Rußland angeht, so kritisiere auch ich ihre mangelnde Bereitschaft, sich in die hiesige Gesellschaft zu integrieren. Ich betrachte mich auch als Teil dieser deutschen Gesellschaft. Doch nicht alle Anliegen der Rußlanddeutschen kann man auf die wirtschaftliche Interessen reduzieren, wie du es geschrieben hast. Viele von ihnen werden von idealistischen Gründen geleitet. Auch ich habe die Rechte für diesen Film nicht aus wirtschaftlichen Gründen gekauft. Wenn ich die Kosten für die Vertonung und Produktion irgendwann wieder abdecken könnte, wäre für micht auch das ein ernstzunehmender Erfolg.

    Über einen Gewinn in dieser Angelegenheit zu sprechen, wäre realitätsfremd. Genauso geht es vielen anderen Deutschen aus Rußland.

    Auch mit meinem Buch kann ich kaum einen großen Gewinn erwarten, denn die Themen, die ich aufgeworfen habe, werden kaum von der hiesigen Presse unterstützt. Ginge mir um den Gewinn, so hätte ich ohne besondere Schwierigkeiten einen Roman über die Leiden der Opfer der NS-Herrschaft schreiben können. Damit hätte ich bestimmt mehr Erfolg, obwohl solche Art von Literatur in betrechtlicher Fülle vorhanden ist. Dies wurde mir übrigens mehrfach empfohlen. Doch ich sehe die Aufgabe jedes denkenden Menschen gerade darin, sich Themen zu widmen, die offensichtlich zu kurz gekommen sind, um die Einseitigkeiten aufzuheben.

    Was dein Buch betrifft, so versuche ich fleißig, darin zu lesen. Ich bin schon über die Hälfte gekommen. Ich hätte bereits zu Ende gelesen, doch ich bekam unerwartet einige Probleme an den Hals, die ich dringend erledigen mußte. Wie gesagt bin ich dabei und werde in den nächsten Tagen mit dem ersten Teil fertig.

    In diesem Sinne beste Grüße an deine Familie.

    Viktor Streck

    Hallo Viktor,

    alles klar!

    Nur meine Bemerkung über die wirtschaftlichen Interessen unter den selbsternannten Anführern von Russlanddeutschen hast du falsch verstanden. Ich meine die Meisten, die ich kenne, sehen dieses Areal von? 2,5 Mio. Menschen als ihren für die absehbare Zeit bestehenden Markt bzw. Teich, wo sie im trüben Gewässern ihre Fischchen angeln können, weil sie selbst genauso wie ihre Klientel auch wegen Mangel von Sprach- aber auch gesellschaftlichen Kenntnissen keine Chance außerhalb ihrer "Autonomie" in der deutschen Gesellschaft sehen.

    Deswegen bemühen sie sich nicht einmal um diese Chance, und werden jede Entwicklung von Russlanddeutschen in Richtung der deutschen Gesellschaft - bei allen pharisäischen Beteuerungen über die notwendige Integration - bremsen und blockieren, weil diese Richtung eben gegen ihre wirtschaftlichen Absichten wäre.

    Gegen wirtschaftlichen Erfolg auf ehrlichen und "normalen" Wegen habe ich gar nichts einzuwenden. Einpaar Euro würde mir auch nicht schaden, nur bekam ich von meinen Internetbesuchern (mittlerweile über 30.000 drin gestöbert) trotz meiner "Erlaubnis", etwas Geld auf mein Konto zu überweisen, keinen einzigen Zent!

    Und trotzdem werde ich nicht mit den von dir erwähnten "populären" Themen hinter ihnen herlaufen. Zu meinem Erfolg zähle ich vor allem, dass die Einheimischen mich als Deutschen aus Sibirien lesen. Auf diese Weise leiste ich meine Dienste nicht nur den Russlanddeutschen sondern auch den Deutschlanddeutschen.

    Also, ich wünsche dir viel wirtschaftlichen und sonstigen Erfolg, für den du dich nicht rechtfertigen musst.

    Grüße an deine Familie

    Viktor Prieb




  • Lieber Viktor,

    dein Buch lese ich auch fleißig und genau so wie du, möchte ich mich erst nach der letzten Seite äußern. Was die Dimension meines Buches betrifft, wirst du diese bestimmt gegen dessen Ende verstehen.

    Jetzt einige Bemerkungen zu den Kriegsursachen und der Europäischen Union. Du schreibst zum Beispiel, daß die Suche nach den Ursachen kontraproduktiv sei und zwangsläufig zu einem neuen Grund zur kriegerischen Auseinandersetzungen führen würde. Hier muß ich meine Bedenken anmelden.

    Du haßt es richtig ausgeführt, daß die Kriegsgründe in den Bedingungen des Versailler Vertrages liegen, für den wir bis heute jährliche Zahlungen leisten. Doch die Frage nach den Kriegsgründen wäre für uns nicht von großer Bedeutung, wenn Sie nicht bis heute unsere Politik bestimmen würde. Jedes, auch noch so unbedeutendes Thema in unserem heutigen Deutschland ist von dieser Frage abhängig. Sie zwingt uns zu Tributszahlungen in alle möglichen Richtungen, obwohl wir uns selbst bereits bis zu den Ohren verschuldet haben. Diese Zahlungen werden direkt mit dem Krieg begründet. Sie verbauen unseren Kindern die Zukunft auf Generationen hinaus. Doch vor allem lastet diese Frage auf der Seele der Deutschen und behindert das normale Leben.

    Die Nachkriegsgenerationen haben gehofft, daß die Zeit diese Wunden und Haß heilen würde. Vieles haben sie aus diesem Grunde unwidersprochen gelassen. Wie sehr sie sich getäuscht haben, zeigt sich gerade heute mit einer erschreckenden Deutlichkeit. Die Forderungen nach ritualmäßigen Schuldbekenntnissen werden immer heftiger und immer unangemeßener. Die Deutschen haben die Waffen bereits seit Jahrzehnten niedergestreckt, doch die einstigen Sieger nehmen ihren ehrlichen, guten Willen nicht an und hauen und hauen immer weiter. Ich frage mich, was sie damit beabsichtigen? Wollen sie uns immer noch restlos vernichten? Ich meine jetzt nicht das französische oder das englische Volk, ich meine diejenigen politischen Kreise, die hinter dem Rücken ihrer Völker Politik machen und versuchen, diese völlig verschleierte Politik für die Demokratie und den Volkswillen zu verkaufen.

    Du sprichst begeistert von der Europäischen Union, als wäre diese aus dem hellen Wunsch heraus geboren, den Völkern Frieden zu bringen, ihnen eine Basis für eine unbetrübte glückliche Zukunft zu geben. Aus diesen Zeilen kann ich nur entnehmen, daß du keine persönlichen Erfahrungen mit den Politikern und mit der eigentlichen Politik hast. Ich habe in meinem Leben unzählige Möglichkeiten gehabt, mit vielen Politikern persönlich und offen zu sprechen. Und ich habe einen anderen Eindruck gewonnen.

    Außerdem hatte ich die Möglichkeit, die streng geheimen Unterlagen aus den sowjetischen Archiven zum Thema der Wiedervereinigung und der europäischen Union zu lesen. Darunter unzählige Protokollen der Sitzungen des Politbüros, Verhandlungsprotokolle mit Regierungschefs fast allen europäischen Ländern (auch mit Präsident Bush). Aus diesen Unterlagen geht überdeutlich hervor, daß die Grundgedanken und Ziele der EU-Politik bereits Anfang der 90er Jahre formuliert wurden. Und sie sind erschreckend.

    Wenn man diese Unterlagen liest, verliert man einfach den Glauben nicht nur an die Politik, sondern überhaupt an die politische Klasse. Diejenige, die sich so vollmundig hier für Demokraten ausgeben, sind gerade die Totengräber dieser an sich so wundervollen Demokratie. Und gerade in der Schaffung der neuen, nunmehr europäischen "Sowjetunion" liegt leider der Keim für die zukünftige Auseinandersetzung der europäischen Völker.

    Denn das christliche Abendland wird es nicht hinnehmen, daß seine große Kultur durch die Unkultur einer Verbrauchergesellschaft ersetzt wird. Auch bei allen Krisen, die das alte Europa heute erlebt, werden die europäischen Völker einst die Kraft finden, den feindlichen Materialismus abzuschütteln und zu ihren Quellen zurückzukommen. Ich sehe Europa als einen friedlichen Staatenbund, der die Geschichte endlich Geschichte sein läßt und jedem Volk das gleiche Recht gewährt.

    Mehr will ich dazu nicht sagen. Denn in meinem Buch, zumindest in dessen zweitem Teil wirst du es erkennen können.

    Was Suworow betrifft, so beschreibt er in seinen Werken (wenn auch an einigen Stellen überspitzt) im wesentlichen nur die sowjetischen Kriegsvorbereitungen und die sowjetischen Absichten. Daß die Engländer bereits nach dem Deutsch-Französischen Krieg mehr und mehr in dem aufstrebenden Deutschland einen Konkurrenten sah und letztendlich ihre Politik auf die Vernichtung des deutschen Staates ausgerichtet hatten, widerspricht nicht seinen Ansichten. Das kommunistische Regime erkannte sofort die Dimension des Versailler Vertrages und die daraus resultierende Unvermeidbarkeit des neuen europäischen Krieges. Bereits Lenin wies mit aller Deutlichkeit darauf hin.

    Außerdem haben bis heute nur wenige Menschen gewagt, mit Suworow offen zu diskutieren. Anfang 90er Jahren war es der Generalstabschef der Sowjetischen Armee, der in Bulgarien mit einem offiziellen Besuch war. Gerade zu dieser Zeit weilte auch Herr Suworow dort. Es kam zu einem Treffen, der life im Fernsehen übertragen wurde. Am nächsten Tag wurde der Generalstabschef seines hohen Posten enthoben und mußte mit der einfachen Linienmaschinen als Rentner zurückfliegen.

    Auch hier im Westen wagt es niemand. In Israel hatten einst zwei Historiker angekündigt, Suworows Thesen zu widerlegen. Es waren Morosow und Gorodezki. Was daraus wurde ist lächerlich. Auch die beiden Herren sagten einen Streitgespräch mit Suworow vor laufenden Kameras ab. Gorodezki veröffentlichte daraufhin ein Buch, in dem er auf keinen einzigen strategischen Argument von Suworow eingegangen war. Die Kenntnisse von Suworow auf dem Gebiet der Vorbereitungen eines heimtückischen Angriffskrieges sind unbestritten.

    Er verfügt über ein phänomenales Gedächtnis und kennt jede Division, angefangen von der Nummer des Gründungsbefehls bis zur Ausrüstung und Biographien aller Kommandeure. Sogar General a. D. Schultze-Rhonhof, der Autor des berühmten Buches "Der Krieg, der viele Väter hatte" gestand mir persönlich, daß er nicht kompetent genug sei, zu den Argumenten von Suworow öffentlich Stellung zu beziehen. Auch Prof. Hoffmann, Prof. Topitsch, Prof. Danilow und Dutzende von russischen und westlichen Historikern, die über entsprechende Kompetenz verfügen, unterstützen Suworow in dieser Frage. Und es geht dabei nicht darum, die Schuld von Hitler zu minimieren. Nein! Es geht hier um die ungeschminkte Wahrheit und Gerechtigkeit!

    Ich wiederhole noch einmal, gerade die Deutschen und ich persönlich wären am meisten daran interessiert, diese Diskussion um des Friedens willen endlich zu beenden und diese traurigen Ereignisse in den Bereich des Geschichtlichen zu verlagern. Wir sind nicht gewillt, jemanden anzugreifen oder zu beschuldigen. Doch angesichts der Tatsache, daß die Heftigkeit der Schuldzuweisungen an die unbeteiligten Generationen nur noch steigt, daß meine Kinder in den deutschen Schulen nur noch von den Verbrechen des Nationalsozialismus hören müssen, geht diese Entwicklung über den Rand des Erträglichen.

    Diese Entwicklung kann ich, als mündiger Bürger dieses Landes nicht mehr hinnehmen. Ich will meinen Kindern ein Land überlassen, das sie lieben können, zu dem sie eine besondere Beziehung pflegen können, Freude empfinden, wenn sie für dieses Land etwas Gutes machen können. Dieses sakrale Heimatgefühl, das den Deutschen aus Rußland so lange versagt wurde, schulde ich meinen Kindern, genauso wie allen Menschen in meinem Land überhaupt.

    In diesem Sinne bis zum nächsten Mal

    Viktor

    Hallo Viktor,

    danke fürs Video, die ich heute abgeholt habe.

    Kurze Stellungnahme zu deinen Ausführungen zu meinen Ausführungen:

    Grundsätzlich haben wir die gleichen Motive - es muß endlich mit den am Endeffekt in Euro umgerechneten Anschuldigungen an Deutsche und mit deutschen Schuldbekenntnissen ein Schlussstrich gezogen werden. Es ist bereits für mich nicht annehmbar, der als Deutscher im sibirischen Gefängnis diesen von mir "unverschuldeten Schuld" abgesessen hatte, nicht für meine Töchter und schon gar nicht für meine in Berlin geborenen unschuldigen Enkelkinder. Darüber schreibe ich als "mündiger Bürger" in all meinen Publikationen, wobei ich mich nicht von einheimischen Deutschen distanziere, sondern als ein als Deutscher dieses Kreuz zu tragen habender Vertreter aller Deutschen spreche (dazu z. B. Das Szenario zum Demo 2000 und Genozid).

    Die Hintergründe und Hinterkräfte dieser Politik sind seit dem "Siebentagekrieg" im Nahost im Jahre 1967 bekannt, als die Holocaustgeschichte, die 22 Jahre nach dem Kriegsende und Ende der Nürnberger Prozesse niemanden interessierte, plötzlich wieder aktuell wurde und seitdem immer mehr aufgepeitscht wird, statt allmählich abzuklingen. Da die Deutschen sich nicht zu wehren wagen bzw. "dürfen", ist es gut so, dass dies manche von denen wie der amerikanische Professor Finkelstein mit seiner "Holocaustindustrie" selbst tun.

    Was Suworow betrifft, habe ich das Buch im Jahre 1995 zunächst mit einer gewissen Genugtuung gelesen, aber stelle mir nach und nach dieselbe Frage über die Hintergründe. Tut er das aus Menschenliebe zu Deutschen und wegen der heutigen Ungerechtigkeit den Deutschen gegenüber oder aus seinem Hass zu sowjetischen Funktionären, die so unfähig waren, die noch mehr unfähigeren (sieh unten seine Darstellungen von debilen Nazi-Persönlichkeiten) Deutschen noch im Jahre 1941 zu vernichten?

    Das 50-jährige Jubiläum der EU habe ich am Sonntag am Brandenburger Tor innigst gefeiert! Was haben die Verschwörungen der kommunistischen Debilen von 90-gen Jahren mit dem hundertjährigen Traum von europäischen Intellektuellen und mit den 50-jährigen, von der konservativen (schwarzen und keinesfalls roten) CDU-Partei abgeschlossenen Römischen Verträgen zu tun?

    Das ist übrigens die Logik, die auch Suworow fürs Verstehen der Geschichte propagiert und verwendet.

    Bei den gleichen Motiven und Zielen unterschiedliche Meinungen und Auffassungen zu haben, bereichert nur den Weg zu gemeinsamen Zielen.

    In dem Sinne alles Gute

    Viktor Prieb

    (Aus Suworows Diskussionen mit seinen Kontrahenten auf seiner Internetseite (diese Vorstellungen von debilen Deutschen in diesem Krieg "genoss" ich seit klein auf in sowjetischen Kriegsfilmen in unserem Gefängnis, sodass wir - die russischen und die deutschen Kinder - es nach den Filmen unter uns klären mussten):

    Но давайте же вспомним, что во главе Германии стоял кретин, который сам себя публично называл гением, которого Сталин обманул как мальчика, еще до начала войны поставив в положение, в котором выиграть нельзя.

    Гитлер не понимал, кто ему враг, а кто союзник. Он воевал против народа, а не против режима. У "тяжеловеса" мозги были слегка набекрень.

    Гитлер не понимал, что исход войны решается не на тактическом, а на более высоких уровнях: стратегическом, политическом, экономическом.

    Гитлер поднял против себя весь мир, а надежных, сильных и щедрых союзников не нашел. Да и не искал.

    Первым замом у гениального кретина был ленивый глупый наркоман, у которого мозги заплыли жиром, который пудрил лицо и красил ногти, носил женские перстни, ожерелья и брошки, который появлялся публично в высоких красных сапогах, как у пошлой берлинской бляди, который ничего не смыслил ни в войне, ни в авиации, ни в промышленности, которыми руководил.

    Чуть ниже стояли министры, которые считали, что им думать не надо, за них думает гений.

    Система стратегического управления Германии была совершенно не приспособлена для ведения войны. Армия, авиация и флот имели свои собственные Генеральные штабы. Каждый из трех видов вооруженных сил вел свою собственную войну. А войска СС, кроме того, вели свою автономную войну.

    Германские генералы не имели профессиональной военной подготовки. Они не представляли себе, чем должен заниматься Генеральный штаб. Удивительный пример: Германия напала на Советского Союза, не имея плана войны. Так называемый "План Барбаросса" - декларация о намерениях, свод благих пожеланий. Не больше того.

    Германские генералы не понимали роли танков в войне. Иначе чем объяснить, изумительный факт: они бросились покорять Советский Союз, имея всего только три с половиной тысячи устаревших изношенных танков, среди которых не было ни одного с хорошей броней, ни одного с хорошей пушкой, ни одного с хорошим двигателем, ни одного с хорошей подвеской, ни одного с хорошими гусеницами.

    Германские стратеги считали, что армия должна находится в состоянии катастрофической неготовности к войне. Иначе чем объяснить вопиющий факт: германские конструкторы впервые начали набрасывать эскизные проекты тяжелого танка 26 мая 1941 года. Войну против Советского Союза планировали завершить к концу лета 1941 года, а первый экспериментальный тяжелый танк показать Гитлеру на день рождения - 20 апреля 1942 года. Зачем он нужен после победы над Советским Союзом? Если против Британии воевать, то надо было строить прежде всего мощный флот и стратегическую авиацию. Без этого тяжелые танки все равно не переправишь ни в Африку, ни на Британские острова. Но если и переправишь, то, не имея господства на море и в воздухе, не сможешь снабжать свои тяжелые танки топливом и боеприпасами.

    Германская разведка не знала о Советском Союзе и Красной Армии самых элементарных вещей. "Чемпион-тяжеловес" был глухим и слепым. Германские военные разведчики официально присутствовали на Красной площади 1 мая 1941 года, но не обратили внимания на танки Т-34, которые открыто перли мимо них стройными рядами.

    Можно бесконечно перечислять примеры вопиющей неготовности Германии к войне.

    Главное: в самых благоприятных условиях, какие только можно представить, выбрав время, место и способ нападения, Германия все равно позорно проиграла войну. А Красная Армия была столь сильна и могущественна, что даже получив в самом начале смертельную рану, в самых страшных условиях, какие только существовали в мировой истории, все же дошла до Берлина, Вены, Праги, Софии и Порт-Артура.

    До какой же степени надо ненавидеть свою Родину и русский народ, чтобы публично объявлять: имея абсолютное качественное и семикратное количественное превосходство в танках и примерно такое же в авиации и артиллерии, Красная Армия при любом раскладе была обречена на позорные поражения с первых минут войны. Заявления Исаева - расизм в чистом виде: 24 тысячи танков, включая новейшие, равных которым нет ни у кого в мире, не способны защитить свой дом от нападения трех тысяч устаревших и изношенных танков Гитлера. По логике Исаева, мы все - стадо обезьян, которые не способны воевать, дай им хоть в десять раз больше оружия самого высокого качества.

    Под псевдонимом Исаев явно скрывается недобитый гитлеровец, который проповедует расовую теорию нацизма: русские животные ни на что не способны, имея подавляющий перевес в танках, артиллерии и авиации, они все равно - подростки-пионеры в сравнении тевтоном, который даже и не удосужился готовиться к драке.

    До 1935 года в Германии было 4000 офицеров. И все. У Гитлера - 17 необученных возрастов. В в "обезглавленной" армии Сталина в 1937 году было 205 тысяч одних только офицеров. Начиная с 1938 года, офицеров для Красной армии готовили сотнями тысяч. И нам объясняет Исаев: вот он - непобедимый германский тяжеловес-профессионал! Куда до него сопливым.

    Откуда эта ненависть к своему народу? Откуда эта рабская любовь холопа Исаева к своему несостоявшемуся тевтонскому господину?

    !!! Woher soviel Patriotismus eines sowjetischen Ex-Militärgeheimdienstler seiner UdSSR-Heimat gegenüber, aus der er abhaute? Woher so viel Haß und typisch ex-sowjetische Verleugnung den Deutschen gegenüber? Woher nahmen Deutsche veraltete Panzer, wenn sie diese erst nach 1933-35 entwickeln und herzustellen begonnen hatten? All das interessiert mich ehrlich gesagt genauso wenig wie Suworow selbst und die anderen Geheimdienstler sowie auch Dissidenten wie Herr Bukowski, die im Unterschied zu uns - in sibirischen Verbannungszonen eingesperrten Deutschen - immer ihre Freiheit bzw. ihren Zwang genossen, aus der sowjetischen Heimat nach den Westen abzuhauen, denken aber gar nicht daran nach Absterben der UdSSR, zurückzukehren und ihre Ideen im neugeborenen Russland endlich zu verwirklichen.

    Viktor Prieb



  • Lieber Viktor,

    einander zu dutzen, nehme ich gerne an. Vielen Dank für dein Buch und die schöne Widmung.

    Soeben habe ich deinen Artikel in der Zeitung "Heimat" gelesen. Ein sehr interessanter Artikel, denn ich beschäftige mich mit diesem Thema schon einige Jahre. Wie du bestimmt schon auf meiner Internet-Seite gesehen hast, habe ich Rechte für den 18-teiligen Film "Der letzte Mythos" gekauft und ihn sehr aufwändig in deutscher Sprache vertont.

    Dieser Film behandelt die gleichen Themen, vor allem die sowjetischen Kriegsvorbereitungen. Die Vorlage für den Regisseur W. Sinelnikow bildeten die Bücher von Viktor Suworow "Der Eisbrecher" und "Der Tag M". Mein Anliegen wäre, diesen Film der Leserschaft der Zeitung "Heimat" vorzustellen. Wenn du das machen könntest, würde ich mich freuen, denn du schreibst wirklich hervorragend.

    Übrigens bin ich mit V. Suworow befreundet. Ich telefoniere mit ihm jede Woche. Er ist wirklich weltbekannt. Seine Bücher sind in 18 Sprachen übersetzt und deren Auflage zählt Duzende von Millionen. Allein in Rußland wurden mehr als 20 Millionen verkauft. Ich kann aber ihn als Interviewpartner für die Zeitung "Heimat" gewinnen. Du kannst dann das Interview per E-Mail oder per Telefon führen. Ich bin mir sicher, mir wird er nie absagen.

    Außerdem bin ich mit dem weltbekannten russischen Schriftsteller Wladimir Bukowski bekannt. Seine Vorstellungen über diesen Themenkomplex sind auch ähnlich. Außerdem ist er einer der ausgewiesenen Gegner des europäischen Vielvölkerstaates, der jetzt im Werden begriffen ist. Seine Schriften zu diesem Thema sind beeindruckend. Im Film "Der letzte Mythos" spricht er über die "Linken" und Ihre Methoden. Ich kann versuchen im Sommer auch ihn für ein Interviewgespräch zu gewinnen.

    Ich wäre dir sehr dankbar, wenn du mir hilfst, diesen Film zu vermarkten. Sag mir, wie ich dich telefonisch erreichen kann. Dann können wir ausführlicher darüber sprechen. Meine Tel.-Nr. habe ich dir bereits mitgeteilt.

    Heute schicke ich dir mit der Post den Film zu, für den Fall, daß du ihn noch nicht hast. Er ist wirklich beeindruckend.

    Ach so! Erst jetzt habe ich bemerkt, daß der Artikel "Zu welchem Krieg rüsteten die Bolschewiken?" von Alexander Prieb geschrieben wurde. Wie ich verstanden habe, ist er dein Bruder. Ist es wahr?

    Mit freundlichem Gruß

    Viktor Streck

    Hallo Viktor.

    Es ist wahr. Und ich habe zur Zeit weder mit meinem Bruder, noch mit der Zeitung "Heimat" einen Kontakt.

    Ich habe für die "Heimat" in Jahren 2000/2001 ein paar Artikel ( "Russlanddeutsche in Ausländerhass eingeklammert" - (statistische Daten), "Das Wort zum Millenniumsweihnachten", Bericht über "Demo 2000") und davor noch "Das Szenario zum Demo 2000", das keine Verwendung fand, geschrieben (unentgeltlich natürlich), wobei "Das Wort .." von Lesern zum besten Artikel des Jahres gewählt und nochmals abgedruckt wurde.

    Dann versuchte Viktor Uhl - der Besitzer und Herausgeber der Zeitung - an sich ein netter Kerl, mich stärker in die Politik des Vereins "Heimat" zu involvieren, aber mir passten die Konzepte und überhaupt die Politik von Russlanddeutschen nicht, die sich mehr aufs Geschäftliche in einer "deutschen" von Deutschen isolierten Volksgruppe bezieht, die es gar nicht oder nur vorübergehend gibt, wie ich es in meiner "Statistik" schreibe und was auch deine Meinung - nach deinem Buch zu beurteilen - ist.

    Dein gestriges Angebot interessiert mich auch nicht. Mein Desinteresse liegt daran, dass ich es für unwesentlich halte, wer den letzten Krieg angefangen hat - die konkrete Antwort ist die, die auch Hitler an die Macht brachte - den zweiten Weltkrieg haben die Engländer und Franzosen in Versailles 1919, trotz des Widerstands der Amerikaner - die an der Stelle etwas Achtung verdienen - angefangen.

    Ansonsten, philosophisch gesehen, war dieser Krieg - wie alle anderen in der Geschichte auch - ein Produkt der Weltpolitik und wie immer gegen Menschenwillen und gegen Menschen selbst gerichtet. Nach jedem Krieg nach einem einzelnen Schuldigen zu suchen - wie in Versail eben, ist es immer der Beginn eines neuen Krieges oder mindestens eine Voraussetzung dafür. Mit dieser Ironie erwähne ich auch die Bücher von V. Suworow in meinem Buch.

    Deswegen bin ich ein begeisterter Befürworter des heutigen Europas und vor allem der gemeinsamen europäischen Währung, die es wirtschaftlich unmöglich macht, dass die Franzosen und die Deutschen wieder mal einander in Kriegen umbringen. Die Engländer scheinen, immer noch darauf zu bestehen, indem sie die gemeinsame Währung mit der blödesten Begründung, die ich je gehört habe, und mit ihrer immer noch bestehenden Empirearroganz ablehnen: "Wir als eine große Seemacht haben so alte Empiretraditionen!" und so ähnliches mehr (ein Zitat aus der vom britischen Außenminister öffentlich abgegebenen Erklärung dazu).

    Mich ärgert die Blödheit von Völkern Frankreichs und Hollands - von Polen ganz zu schweigen -, welche so sauer auf ihre Erniedrigung von Deutschen in diesem Krieg sind, aber die sie in der Zukunft vor den Deutschen schützende europäische Verfassung aus ganz kleinkarierten Überlegungen ablehnen. Die bisherige Weltpolitik mit ihren Kriegen basiert nämlich gerade auf derartigen Blödheit von Menschheit als "gehirn- und gesichtslosen Masse", wie ich es in meinem Buch schreibe.

    Apropos das Buch, ich habe aus deinem bereits über 200 Seiten bewältigt, aber kommentieren möchte ich es doch als Ganze, wenn ich die Philosophie des Buchs endgültig begreife, was mir zur Zeit noch nicht ganz gelungen ist. Wie weit bist du mit der Lektüre meines Buches? Wir haben ja eine Abmachung, die Kommentare gegenseitig zu liefern bzw. Diskussionen über unsere Bücher zu führen.

    Bis dahin alles Gute

    Viktor Prieb




  • Sehr geehrter Herr Prieb,

    vielen Dank für Ihr Schreiben.

    Es freut mich sehr, daß sie Ihre Heimat auf der richtigen Seite gefunden haben. In dieser Hinsicht teile ich, im Gegensatz zu einigen unserer Landsleute, Ihre Meinung. Bereits als Kind, habe ich eine starke Sehnsucht nach "meinem Land" verspürt, und zwar unabhängig davon, wie ich in diesem meinem Land empfangen werde. Später träumte ich davon, immer öfter und immer farbiger. Stundenlang konnte ich in meinem Zimmer sitzen und auf die ausgebreitete Deutschlandkarte schauen oder die Geschichte "meiner Heimat" studieren. Es ist ein starkes, erhebendes Gefühl.

    Ich bin 1963 in der Republik Komi zur Welt gekommen und wohnte seit meinem sechsten Lebensjahr in der Stadt Omsk, bis ich mit 18 Jahren nach Kirgisien weiterzog. Nach zwei qualvollen Jahren in der russischen Armee (Stroibat in Wladiwostok) kehrte ich nach Kirgisien zurück und war in den letzten Jahren vor der Ausreise (1988) als Journalist in einer Zeitung tätig.

    In meinem Buch habe ich einige Erlebnisse aus meinem Leben nachgezeichnet, doch sie bilden nur einen winzigen Teil vom Ganzen. Nur meine Gedanken und meine innere Welt haben dort den vollen Ausdruck gefunden.

    Doch ich möchte jetzt die Handlung nicht vorwegnehmen und überlasse es Ihrem Urteil.

    Mit herzlichen Grüßen aus Bad Pyrmont

    Viktor Streck

    Lieber Viktor,
    meinetwegen können wir uns duzen ( als der Ältere schlage ich es vor).

    Danke für einige persönliche Informationen, die mich natürlich interessierten.

    Ich habe das Buch gestern schon aus meinem Postfach abgeholt, reingeschaut und etwas Ahnung bekommen, um was es dabei handelt. Aber für die richtige Lektüre brauche ich natürlich viel mehr Zeit, die woanders muß weggenommen werden.

    Ich werde mich melden, sobald ich etwas Interessantes - auch während des Lesens - zu sagen habe.

    Bis dahin alles Gute

    Viktor Prieb




  • Betreff: Neuerscheinung / "Heimat ist ein Paradies"

    Sehr geehrter Herr Prieb,

    heute habe ich Ihnen meinen soeben veröffentlichten Roman per Post zugesandt, in der Hoffnung, daß Sie die Zeit finden, ihn zu lesen.

    Ich habe Ihre Internet-Seite mit großem Interesse gelesen und fand dort Fragestellungen, die auch mich beschäftigen.

    Ich würde mich aufrichtig freuen, Ihre Meinung über mein Buch in Erfahrung zu bringen.

    Mit herzlichen Grüßen aus Bad Pyrmont

    Viktor Streck
    Bad Pyrmont

    Sehr geehrter Herr Streck,

    vielen Dank für Ihr Buch und Ihren Brief. Ich werde das Buch unbedingt lesen und dann Ihnen meine Impressionen, aber auch Analysen mitteilen.

    Allein der Name: "Heimat ist ein Paradies" ist für mich provozierend, denn ich versuche den Begriff "Heimat" für mich als ein Heimatloser neu zu erfinden und zu definieren. Mein sibirischer Geburtsort-Gefängnis war sie bestimmt nicht, denn die Heimat soll von Menschen frei wählbar sein. Als meine Vorfahren Deutschland in Richtung S&üuml;drussland verließen, haben sie sich ihre neue Heimat frei gewählt und sie zu ihrem Paradies eigenhändig gemacht. Davon weiß ich nur vom Hörensagen, und ich kann mich noch an die Begeisterung meines Vaters erinnern, als er davon sprach.

    Andererseits soll die Heimat der Ort bzw. das Land sein, wo sich ein Mensch heimisch und geliebt wie bei seiner Mutter fühlt. Und dieses Gefühl habe ich zum ersten Mal - erst mit meinen 39 Lebensjahren - hier, in Deutschland, verspürt, und seitdem liebe ich dieses "mein Mutterland" über alles.

    Ich erlaube es mir, ihnen mein Roman mit derselben Bitte ebenfalls zuzuschicken. In meinem Buch versuche ich eigentlich, nicht nur Fragen zu stellen, sondern - als ein professioneller Analytiker - Physiker von Beruf) - diese auch gleich zu beantworten, bzw. die Antworten anzudeuten, um sie zur Diskussion mit Lesern zu bringen.

    Meine Leitfrage ist: Was ist die menschliche Weltgeschichte, für wen und von wem wird sie immer betrieben, wenn diese Geschichte die Menschen und ihre Schicksale gar nicht berücksichtigt und Abermillionen von ihnen nur Tod, Leid, Heimatlosigkeit und die Hölle auf den Erden statt Paradieses bringt?

    Aber ich will Sie nicht im voraus belasten und werde auf Ihre Meinungen und Kommentare zu meinem Buch spannend warten. Das Buch steht ja auch im Internet ("Der Zug fährt ab") nur bekomme ich selten Feedbacks dazu, wie Sie es selbst aus diesen Leserreferenzen feststellen können).

    Mit herzlichen Grüßen aus meiner Heimatstadt Berlin.
    Viktor Prieb




  • JAeNvY (11.07.2006):
    Wow, deine Gedichte sind ziemlich tiefgründig, bringen einen zum nachdenken, da steckt sehr viel Gefühl mit drin!!!
    *Kompliment*

    (Kommentare zu meinen Liebesgedichten:

    "Die Liebe als Leben",
    "Die Liebe als Tod" und
    "Der Zweifel an der Liebe",
    auf der Internetseite
    "Rock & Liebe")

    Danke mein verschlüsselter Bewunderer!

    Ob dies allerdings ein Kompliment ist, mag ich bezweifeln (wie vieles auch in meinen Gedichten), denn es ist ja heutzutage aus der Mode gekommen - unerwünscht und fast gefährlich -, nachzudenken und nachzufühlen. Deine Verwunderung, dass es etwas Gefühl in Liebesgedichten mit drin steckt, ist die beste Bestätigung dafür. Was Nachdenken betrifft, ist es eher ein posttraumatisches Syndrom, denn in der Liebe ist man ja voll unbekümmert.

    Also, füge dir blos keinen Schaden zu!

    Viktor




  • Hallo Viktor,

    danke für Dein ausführliches und offenes Mail. Ich werde die Seiten 27 - 33 auf dem Hintergrund deiner Ausführungen noch einmal lesen und überdenken. Vielleicht ging ich als "Unbeteiligter" über diese Tatsache zu oberflächlich hinweg. Ich merke, dass ich mich selbst dabei überprüfen muss, inwieweit ich solche Dinge als erledigt ablege. Wir müssen wachsam sein, damit sich solche schlimmen Dinge nicht mehr wiederholen.

    Der Leiter einer Bibelschule vertrat vor kurzem eine interessante "Theorie". Er meinte, dass wenn alle Christen in Deutschland im Dritten Reich geschlossen hinter den Juden gestanden und sich mit Ihnen solidarisiert hätten, wäre der schreckliche Plan der Nazis nicht durchführbar gewesen. Wenn alle Christen bereit gewesen wären mit in die KZ's zu gehen wären die Lager geplatzt und das System kollabiert. Dieses hat mich doch sehr nachdenklich gemacht und gezeigt wie wichtig es ist geschlossen für die Gerechtigkeit und gegen Verbrechen aufzutreten.

    Du kannst meine Kommentare gerne auf der Homepage als Leserreferenzen verüffentlichen. Sobald ich einige Kommentare zusammengetragen habe, schreibe ich Dir wieder. Bis dahin wünsche ich dir alles Gute.

    Andreas

    Hallo Andreas,

    es hat mich gefreut, dass du solche selbstkritischen Einsichten aufweist.

    Du musst aber nicht gleich übertreiben. Diese "interessante" Theorie des Bibelschulleiters ist meinetwegen gar nicht interessant, typisch biblisch naiv, aber auch schädlich. Sie widerspricht auch allem, was ich in meinem Buch vertrete. Es gibt keine Massenhandlung und somit keine Massenverantwortung, die eben den Deutschen angelastet wurde. Die Masse ist gesichtslos und gehirnlos, wie ich in meinem Buch schreibe. Das kann jemand, der sich zur "Masse" zählt, zu Unrecht arrogant und beleidigend finden, ohne zu verstehen, dass ich damit gerade auf ihn und auf seine Persönlichkeit einen großen Wert lege.

    Über sechs Milliarden "vom Gott nach seinem Bild geschaffenen" und einzigartigen Menschen lassen sich nicht als eine Masse betrachten. Dies sind über sechs Milliarden Menschenleben und Persönlichkeiten, von denen nicht einmal zwei oder drei gerade aus diesem Grund einheitlich handeln und für die Gerechtigkeit im Gleichschritt - geschlossen, wie du schreibst - in die KZ's marschieren können. Da muss schon ein Führer bzw. ein Anführer her, der alle Persönlichkeitsmerkmale auslöscht und sie zu einer homogenen - eben gesichts- und gehirnlosen, wie ich es schreibe - Masse macht. Und dann ist es schon die Politik an sich mit all ihren Verbrechen, in denen die Menschenmasse als eine statistische Zahl von Anhängern, von Wählern, von Fans, von Soldaten, von Opfern usw. gebildet, verführt, missbraucht und vernichtet wird.

    Die Verantwortung kann nur eine Persönlichkeit bewusst tragen. Auch die Verantwortung für die Greueltaten der Nazis liegt an den einzelnen Persönlichkeiten, die dies alles planten, im Namen des deutschen Volkes - im Namen der deutschen Masse - durchführten und damit das Verbrechen nicht nur gegen Menschlichkeit, gegen Juden, gegen vielen anderen Menschen sondern auch und vor allem gegen das deutsche Volk begingen. Daran, dass das deutsche Volk im Jahre 1933 diese Persönlichkeiten frei wählte, war nicht nur die deutsche Wählermasse - zu der bestimmt auch ein paar deutsche Juden gehörten - schuld.

    Das Thema der persönlichen Schuld wird allerdings auch in dem bereits erwähnten Kapitel meines Buches "Wer verantwortet das Gute und das Böse oder ..." auf den Seiten 80-88 behandelt. So wie die miserable Effektivität der kollektiven Handlung adligen preußischen Militärs, die heutzutage als etwas die Deutschen einwenig Entlastendes so naiv und lächerlich präsentiert wird, im Kapitel "Die zweite Front und ..." auf den Seiten 128-129 erwähnt wird.

    Ich würde mich weiterhin auf deine Referenzen und Stellungnahmen freuen.

    Grüße,

    Viktor




  • Hallo Viktor,

    Einige Bemerkungen zu deinem Roman "Der Zug fährt ab": Ich finde Deinen Schreibstil sehr anspruchsvoll. Ich habe zuvor noch nie ein Buch gelesen, bei dem ich sogar die Überschriften teilweise zweimal lesen musste um sie zu verstehen. Mir gefallen die doppelten Überschriften aber sehr gut. Nun verstehe ich auch, was Du damit meintest, als Du bei unseren Gesprächen in Pforzheim erwähntest, es sei ein analytischer Roman von einem Wissenschafter.

    Besonders die Geschichte Deiner Kindheit "Der Kleine" hat mir sehr gut gefallen. Es ist bewundernswert wie detailliert Du nach all den Jahren Deine Kindheit wiedergeben kannst. Man merkt, dass Du mit einem "klaren Kopf" groß geworden bist, im Gegensatz zu vielen reizüberfluteten und zugemüllten Kindern in der heutigen Zeit.

    Auf der Seite 18 in der Mitte steht eine Stelle die für mich sehr wertvoll und wichtig geworden ist. Es geht dabei im Dialog mit Deiner Frau um die überbehüteten Kinder die ihre Probleme von anderen lösen lassen. In dieser Aussage steckt leider sehr viel Wahrheit. Ich finde nur, dass der Begriff "Arschlöcher" diese Aussage etwas negiert.

    Die Art wie der Leser nicht direkt angesprochen wird sondern als Beobachter und Zuhörer (z.B. Seite 22) eingebunden wird finde ich sehr gut. Bei Deiner konstruktiven Kritik z.B. an die Gesellschaft bzgl. des Zeitgeistes kann sich der Leser ein eigenes Urteil bilden, ohne direkt angesprochen zu werden und dabei innerlich in die Verteidigungshaltung zu gehen.

    Auf den Seiten 27 - 33 habe ich sehr viele interessante Einblicke in eine mir unbekannte Epoche russischer Geschichte erhalten.

    Die auf den Seiten S. 44 - 45 verwendeten Begriffe "Scheiße" und "scheißegal" sind mir zwar gut bekannt, es besteht aber die Gefahr dass dadurch die Auusage des Textes verfälscht wird.

    Auf der Seite 48 schreibst Du über viele "Missgeburten" die Dir in Deinem Leben schon begegnet sind. Ich finde diese Bezeichnung zu wertend. Nach meinem Glaubensverständnis und nach dem was in der Bibel steht hat Gott alle Menschen nach seinem Bild geschaffen. Viele Menschen haben sich in der Distanz von ihrem Schöpfer "entartet" entwickelt. Der Humanismus sagt zwar, dass der Mensch von Geburt an gut ist aber diese Aussage ist nicht biblisch. Wir alle leben aus der Gnade Gottes, der seinen Sohn Jesus auf die Erde gesandt hat und der für unsere Sünden am Kreuz starb und auferstanden ist, damit wir mit Gott versöhnt mit ihm in der Ewigkeit leben können. Ich kann es sehr gut nachvollziehen, was Du meinst, denn mir fällt es auch immer wieder schwer nicht über andere zu richten und mich an diese Gnade zu halten.

    Deine ausführlichen Erzählungen über die Kalyme haben mir sehr gut gefallen. Vor allem die Werte die Du beschreibst (z.B. Wort halten) sollten eine große Anzahl von Lesern erreichen!

    Ich wollte Dir damit meine Gedanken über den ersten von mir gelesenene Teil schreiben. Wenn Du dazu Fragen hast, kannst Du Dich gerne bei mir melden. Ich werde weiterlesen und mir dabei immer Notizen dazu machen und Dir bald wieder schreiben.

    Ich wünsche Dir alles Gute und weiterhin viel Erfolg bei Deinen vielseitigen Arbeiten.

    Andreas Zilly, Bretten-Ruit

    Hallo Andreas,

    danke für Deinen Brief, der mich sehr erfreut hat.

    Ich bin so gespannt auf jede Meinung und Kommentar zu meinem Buch, das seit über fünf Monaten frei im Internet steht. Die Seiten werden auch intensiv besucht, aber es gibt nach wie vor keine großartigen Kontaktversuche. Ich habe auch über 20 Bücher meinen guten Bekannten und Freunden geschenkt, bekomme aber auch von ihnen keine Rückmeldungen. Die Tatsache irritiert mich und überrascht etwas.

    Aber nur etwas eben, weil ich es vermutete, was auch Du sagst, dass sowohl die Themen als auch meine Sprache bzw. mein Schreibstil nicht jedermanns Sache sind (danke an der Stelle für "anspruchsvoll"). Ausgeschlossen vielleicht nur der Prolog "Der Kleine", der lyrisch klingt und leicht zu lesen ist, obwohl inhaltlich, wenn man es bedenkt, ziemlich makaber und grauenvoll ist.

    Jedenfalls ist das Buch kein "Leichtkost" - keine richtige Spaßbelletristik, die man leicht liest und gerne kostet, und worüber sich jeder Autor freut.

    Trotz alledem und trotz dem, dass ich auf etwas kommerziellen Erfolg für mein Buch und für mich hoffte, bleibt es dabei und es bleibt erstrangig, dass ich doch eine anspruchsvolle, wenn auch nicht so breite, Auslesegruppe von Lesern erreiche, die diese Themen interessieren, die meine Überlegungen und Stellungnahmen dazu verstehen und sogar bereit sind, darüber mit mir oder auch untereinander in der Gesellschaft zu diskutieren.

    Die Wörter wie "Arschloch" oder "Scheiüe" und "scheißegal" sind natürlich nich besonders ästhetisch, da hast Du vollkommen recht. Doch, sie sind angebracht oder kommen auch bei jedem normalen Menschen vor, der sich über etwas aufregt, wie ich bei dem Disput mit meiner Frau, oder mit einem anderen normalen Menschen, der Bier in einer Kneipe trinkt und das herrschende politische System ebenfalls für unerträglich beschießen hält. Und ich bin nun ein normaler Mensch mit allen Schwächen und Fehlern, was ich auch meinen Lesern nicht verheimlichen wollte. Ich musste aber auch nichts vormachen, dass ich so wie die Meisten von ihnen bin - ich bin wirklich so.

    Ich habe sonst auch keine schriftstellerischen Tricks beim Schreiben verwendet, aber erst nach späterem Durchlesen gemerkt, dass Manches in der Richtung gut geklappt hat (wie diese in Dialogen mit den Töchtern indirekte Ansprache von Lesern, die - wie Du so sch?n schreibst - nicht gleich "innerlich in die Verteidigungshaltung gehen müssen".

    Zu einer der wichtigsten Richtlinien gehört es auch, dass ich nicht so kleinlich bin und es niemals in meinem Buch werde, wegen meines Schicksals oder des Schicksals von 2 Mio. Deutschen aus Russland gleich nach Schuldigen zu suchen, jemanden anzuschuldigen und über ihn zu richten. Denn ich verstehe, dass es noch viel mehr derartigen Tragödien - allein die Tragödie des deutschen Volkes in der Kriegs- und Nachkriegsgeschichte - in der Weltgeschichte passierten und immer noch passieren. Deswegen suche ich in meiner Analyse nach den Ursachen solcher Tragödien in der Weltgeschichte selbst und unter deren Betreibern ganz allgemein.

    Deswegen hat mich nur ein kurzer und an der Stelle "eine Epoche russischer Geschichte" zum Teil auch falscher Kommentar über die Seiten 27-33 (nämlich "Philologie des Genozids und Politologie des Siegers oder über das Schicksal Deutschlands..." etwas enttäuscht. Erwartet mich allgemein solche Reaktion meiner deutschen Leser? Nach dem Motto: "Es ist - Gott sei Dank! - vorbei, uns geht's jetzt gut und nur das zählt, wozu das Ganze noch einmal aufzuwecken und durchzuwühlen!".
    Aber du weißt ja - und wir werden jeden Tag von Politikern und Holocaustopfern daran erinnert -, dass nichts in Vergessenheit geraten darf, dass jede Geschichte erst gründlich verarbeitet werden muss, bevor sie "ad acta" geht. Ansonsten werden derartige Misshandlungen der Weltgeschichte immer wieder passieren, wie die Misshandlung Deutschlands und des deutschen Volkes damals passierte, des Volkes in Afghanistan und in Irak jetzt passiert und bald in Iran passieren kann.

    Vielleicht habe ich schon wieder ein in Deutschland tabuisiertes Thema getroffen, wie Relativierung von etwas usw., und deswegen bist Du an der Stelle so zurückhaltend, aber die einzige Schlussfolgerung, die nichts mit Relativierung zu tun hat - eher umgekehrt, ist es: Es dürfen keine rechtfreien Zonen in der Welt aus welchen auch immer sie rechtfertigenden weltpolitischen Gründen geschaffen werden und existieren. Dies war der Fall in der UdSSR, in dem Dritten Reich, auf dem Territorium Deutschlands nach dem Krieg (auch nach dem Ersten), in Irak und in Guantanomo.

    Wie Du siehst, die Geschichte ist aktuell und gar nicht tabuisiert. Alle beschimpfen Amerikaner für diesen Krieg und verlangen jetzt von ihnen, dieses Lager abzuschaffen. Warum so auf einmal? Keiner, leider, kommt drauf - oder will es gar nicht - zu analysieren, woher diese arrogante Politik stammt, wer und wann den Amerikanern ihre "Recht und Gerechtigkeit bringenden Hände" entbunden hat, das Betreten mit Füßen des internationalen Gesetzes von Amerikanern begrüßte und davon auch profitierte. Es geht nicht um Amerikaner, es geht darum, dass es niemandem und nie gestattet ist, menschliche und internationale Gesetzte und dadurch auch Menschen, Nationen und Länder aus eigenem Nutzen zu missbrauchen.

    Dieses Thema - unter ein paar anderen - war im Jahre 1997 den Jura-Studenten von ihrem Professor an der Uni-Bonn für ihre Arbeit mit der Aufgabe zur Wahl gestellt, die Handlungen der Alliierten und ihre von Herrn Kelsen angeschaffenen juristischen Begründungen angesichts heutiger Gesetze und Ansichten juristisch zu verarbeiten. Mich faszinierte damals diese Aufgabe und die Courage des Professors, die ich sofort als Zeichen von neuen Zeiten und neuer politischer Mentalität in vereintem Deutschland sah, und was ich immer noch glaube. So verarbeitete ich dieses Thema wissenschaftlich und literarisch, indem ich einen kleinen Menschen in den Vordergrund stelle und ihn als das Wichtigste auf dem Hintergrund derartiger Weltgeschichte mit ihren politischen Manipulationen beschreibe, diese Weltgeschichte damit als etwas Übergeordnetes bezweifle und als etwas Irrsinniges sarkastisch auslache.

    Sehr wertvoll sind für mich Deine Ausführungen über Religionsfragen und ich bin mit deiner Meinung einverstanden. Das schreckliche Wort "Missgeburt" ist mir wie einem normalen Menschen - wie ich es bereits oben betonte - in dieser konkreten Situation ausgerutscht, was du auch nachvollziehen kannst. Aber das hat mit "über die anderen richten" nichts zu tun. Meine philosophische Einstellung zum "Richten" ist auf den Seiten 80-88 ("Wer verantwortet das Gute und das Böse oder ...") ausführlich dargestellt worden, wo ich nachvollziehbare menschliche Gefühle der philosophisch-religiösen, aber auch menschlichen Ethik gegenüber stelle und sie zu vereinen versuche. Wenn Du so weit mit der Lektüre bist, bin ich weiter gespannt, deine Meinung zu erfahren und unsere Ansichten dazu auszutauschen.

    Bis dahin mit herzlichen Grüßen

    Viktor.

    P.S.: Hast Du was dagegen, wenn ich die das Buch betreffenden Auszüge aus Deinem Brief - von "privaten" Momenten befreit - auf meiner Internetseite unter "Leserreferenzen" veröffentliche, wie ich es jedem verspreche, der sich bei mir meldet (vielleicht deswegen melden sie sich auch nicht!)?.




  • Habe gerade Deine Web-Seite besucht. Ich muß sagen, dass diese Seite sehr attraktiv und interessant gestaltet ist. Diese www-Literaturseite habe ich mir als Lesezeichen abgelegt und werde sie sicher noch oft besuchen.

    Dein fertiges Buch liegt nun in der PDF-Datei auf meinem Computer und sie wird in den nächsten Tagen ausgedruckt.

    Dank auch für die wunderbaren Gedichte und die guten Literaturverweise auf dieser www-Seite. Ich werde mich noch intensiv mit Deinen Artikeln beschäftigen und freue mich auf weitere Veröffentlichungen und Aktualisierungen.

    Hochinteressant und sehr ansprechend gemacht ist auch die Stammbaum-Seite.

    Danke.

    Robert Schaf, Berlin, Mai, 2006.


    Danke, Robert, für deine schmeichelhaften Wörter zu meinen Seiten. Es wäre mir aber lieber, wenn du doch die Inhalte liest und dann dazu deine Meinung schreibst, wenn sie auch nicht so schmeichelhaft sein soll.

    Viktor


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