Viktor Eduard Prieb - Literatur
- Publizistik
Die Wahl 2009

Personen, Parteien, Standpunkte und Richtungen -
alles für Arbeits- und Konsumsklaverei

"Der Zweifell an der Vollbeschäftigung"
- ein politisch-satirisches Gedicht dazu



Ja, die Wahl... Die naht, die drängt und hängt an jeder Laterne mit wohlwollenden, computergeglätteten Gesichtern von unseren angeblichen Wunschkandidaten aller Herren Parteifarben und ihren in ein paar Wörter verfassten Parolen. Die ruft aber nicht! Dieser Wahlkampf unterscheidet sich von den vorigen nur in einem: Es geht mehr um Personenwahl und weniger bis gar nicht um Richtungswahl. Das einzig positive dabei: Es gibt keine persönlichen Schlammschlachten. Keine Schlammschlachten, weil keiner sicher ist, mit wem er sich nach der Wahl wieder vertragen muss.

Um Personen geht es darum, dass es nach wie vor keine Richtungsunterschiede und keine Ideen gibt. Es gibt nämlich nur eine längst ausgewählte ideenlose Richtung: Mit immer mehr Gas - der Wirtschaftswachstum um jeden Preis - gegen die Wand - unwiderrufliche und globale Vernichtung unserer natürlichen Ressourcen als der Existenzgrundlage der Menschheit. Andererseits gibt es keine neuen Entwicklungsrichtungen.

In der Politik wohl gemerkt, denn unter Intellektuellen und intelligenten Persönlichkeiten mit Visionen und freiem Denken gibt es sie seit langem zugenüge. Diese neuen Entwicklungsrichtungen und -ideen gibt es nicht, weil es keine Persönlichkeiten in der Politik weit und breit zu entdecken sind, nur noch irgendwelche Personen, welche nichts außer altgekautem Zeug zu quasseln pflegen, nichts außer ihrer kleinen Süppchen aus heutigen Tagesabfällen und nur für heute zu kochen wagen und nur ihre Macht für Morgen dadurch risikofrei zu erhalten hoffen und welche sich persönlich statt ihrer Süppchen zur Wahl stellen.

Was sind das aber für Personen? Nach welchen Kriterien sollen wir sie auseinanderhalten und wählen? Wen von den Gesichtslosen oder - vielleicht doch - was sollen wir wählen? Ich versuche hier diese Personen sowie ihre Parteien und die ihnen fehlenden Visionen zu analysieren, um diese Fragen so kurz vor der Wahl wenigstens für mich selbst zu beantworten.

Was ist überhaupt eine Persönlichkeit? Eine Persönlichkeit ist ein Individuum, also derjenige, der sich von allen anderen unterscheidet. Obwohl alle Menschen in allgemeinem die Denkfähigkeit aufweisen, wenn sie auch nicht jeder und nicht immer benutzt, ist das Produkt des Denkens, die eigenen Gedanken - insbesondere die an die grundlegenden, zeit- und raumlos ewigen Fragen der Menschheit wie "Sein oder nicht sein?", die man auch als philosophische bezeichnet, - immer individuell. Manche behaupten sogar, dass wir den gesamten menschlichen Fortschritt auch geschichtlich gesehen nur fünf Prozent der Menschheit - den Intellektuellen nämlich - zu verdanken haben.

So kann man schlussfolgern, dass jeder denkende Mensch auf jeden Fall ein Individuum sei. Zu einer Persönlichkeit wird so ein Denker aber nur dann, wenn er von eigenen Gedanken überzeugt ist und nach ihnen trotz aller konjunkturellen Widrigkeiten lebt und handelt. Wenn er auch noch die Anderen von seinen Gedanken zu überzeugen und zu so einem unbequemen Leben zu verführen versucht, wäre so Einer schon eine politische Persönlichkeit. Mit dieser Definition begeben wir uns auf die Suche nach unseren Wunschwahlkandidaten unter all dem, was sich so programmatisch und persönlich von jeder Laterne herab anbietet.

Da das Denken an sich und - viel mehr noch - diese Zerrissenheit zwischen eigener inneren Überzeugung und der äußeren Konjunktur tiefe Spuren in den Antlitz einer Persönlichkeit einfaltet, ist diese durch solche Falten auch leicht zu erkennen. Dieses Erkenntnis für die Gesichtsleser brauchen wir auf unserer Suche nach Persönlichkeiten dringend, denn wir haben ja schließlich nur die Antlitze von meistens unbekannten Kandidaten auf bunten Schildern an diesen Laternen für unsere Wahlentscheidung, die keine weiteren essentiellen Informationen außer unverständlichen bis sinnlosen Parolen liefern.

Blöderweise sind all diese Schildergesichter, wie ich schon sagte, so computergeglättet, dass wir auch hier trotz unserer allen Gesichtsleserkenntnissen nichts über einen unbekannten Kandidaten ergründen können. Als ob uns eine Braut oder ein Bräutigam vermittelt wird, obwohl auch für die angesichts des künftigen langjährigen Lebens nicht gerade die beste Methode gewesen wäre, sich verschönt, verjungert und verfälscht darzubieten.

Wenn zu so einem fettglatten Gesicht wie das von einem Herrn Ingo Schmitt von der CDU in Berlin auch noch eine persönliche Beschreibung wie "geradlinig, verlässlich, kompetent" unten steht, ist diese einfach unglaubhaft, denn gerade die Geradlinigkeit, zum Beispiel, hinterlässt nicht nur Falten sondern manchmal sogar Narben im Gesicht. Also, die Gesichtsleserei hilft uns bei dieser gesichts- und profillosen Wahl wohl kaum. Da bleibt uns nichts Anderes übrig als doch auf die Parteizugehörigkeit zu achten und unseren Erfahrungen mit einer oder anderen Partei zu vertrauen.

Gregor Gysi, Oskar Lafontaine (Die Linke)
Da haben wir zwei Gesichter, die nicht mal mit Computerhilfe geglättet werden müssen - die sind nun mal so fettglänzend glatt: Herr Gysi und Herr Lafontaine! Weil Gesichter scheinen doch echt zu sein - so wie sie uns auch aus verschiedensten Shows von diesen TV-Stars bekannt sind, können wir doch die Gesichtsleserei anzuwenden versuchen. Die einzige magere Feststellung: Vorsicht! Sehr glitschig!

Dies bestätigt auch ihre politische Karriere, wo wir gleich bei der Parteizugehörigkeitsfrage sind. Herr Gysi: SED-PDS-Die Linke; Herr Lafontaine: SPD-PSG-WASG-Die Linke. Also, auch hier gilt nur ein Fazit: Sehr glitschig! Mit dieser Eigenschaft haben die beiden der - die beste Möglichkeit für praktische Realisierung ihrer Parolen bietenden - Verantwortung als Wirtschaftssenator in Berlin, bzw. als Finanzminister Deutschlands ihrer Zeit schnell "entglitscht".

Wie "link" Politiker Lafontaine in der Tat ist, zeigen uns seine Positionen zu konkreten historischen Fragestellungen. Die Linken als Kommunisten sind Internationalisten. Oskar Lafontaine bekämpfte mit allen Mitteln den Zuzug von Ausländern (Asylanten) nach Deutschland, weil diese angeblich die Arbeitsplätze von deutschen Arbeitern gefährden.

Ein Nationalist ist er sowieso nicht, obwohl viele seiner Parolen mit denen von NPD übereinstimmen: Er war und bleibt derjenige, der genauso vehement gegen Zuzug von Deutschen aus der Ex-UdSSR mit der Begründung auftrat, dass diese angeblich die Sozial- und Rentenkassen Deutschlands überlasten werden - sprich Schmarotzen seien, die sich nur aus diesen Gründen irgendeine deutschstämmige Großmutter erfunden hatten.

Ein Patriot Deutschlands ist er dabei auf keinen Fall, denn dasselbe betraf die Ost-Deutschen, als er aus denselben Gründen zusammen mit damals noch seiner SPD-Partei gegen die Wiedervereinigung Deutschlands stemmte.

Umso verwunderlicher ist es heute, dass er auf den Schultern von denselben unerwünschten "Schmarotzen" aus der Ex-DDR und sogar von manchen Deutschen aus der Ex-UdSSR in den Bundestag wieder reinfährt. Hier geht es schon nicht um den Wahlkandidaten Lafontaine, sondern um die Wähler, um ihre menschliche Würde und Ehre, falls sie schon von der Politik und der Demokratie nichts verstehen.

Nun, die Wähler selbst stehen leider nie zur Wahl, um sie zu wechseln, wie es sich manche Politiker gewünscht hätten. An der Stelle sollen diese Wähler die bekannten Sprüche nicht vergessen. Einer lautet: "Jedes Volk verdient seine Regierung" und der andere scherzt: "Die Politiker sind wie Tauben - sind sie unten, fressen sie dir aus der Hand; sind sie oben, scheißen sie dir auf den Kopf". Der zweite beschreibt die politischen Verwandlungen von Lafontaine am besten und der erste betrifft seine Wähler.

Das einzige, was bei diesem politischen Schmarotzen "links" ist, ist seine hinter dem Slogan "Für mehr Gerechtigkeit" versteckte und in der "kommunistischen" UdSSR mal erprobte Verteilungspolitik, deren Grundlage auch sonstiges Verhalten von Lafontaine besser zu verstehen hilft. Diese Politik besteht darin, die Reichen zu berauben - am liebsten gleich als Klassenfeinde abzuschlachten - und das Beraubte in ein Verteilungsfuttertrog für die Armen zu schmeißen. Das Problem ist nur, dass für die "gerechte" Verteilung irgendwelche Verteiler wie Lafontaine her müssen, und die Meiste aus dem Futtertrog an diese Verteiler auch verteilt wird, wie es in der UdSSR und auf der "Farm der Tiere" von George Orwell auch geschah.

Das es so funktioniert, zeigte nicht nur die Erfahrung von der UdSSR, sondern die Erfahrung mit Lafontaine als der Verteiler in Saarland höchstpersönlich. Der Futtertrog des ärmsten Bundeslandes unter der Führung von dem Ministerpräsidenten Lafontaine wurde jahrjährlich von den reichen Bundesländern im Rahmen des Finanzausgleichgesetzes sowie vom Bund durch Kohlensubventionen gefüllt und dem Verteiler Lafontaine zur Verfügung gestellt.

Der aus demselben Futtertrog "gutverdienende" - wie er sich selbst immer kokett bezeichnet - Lafontaine bediente sich darüber hinaus mit noch 230 000 DM, die er allerdings - gerechtigkeitshalber muss man erwähnen - ohne Streit zurück zahlte, nach dem er erwischt worden war. Es ist dann doch klar und liegt in der Natur von Futtertrognutzern, dass alle Eindringlinge sogar nur mit einem angeblichen Anspruch auf denselben Futtertrog von so einem Lafontaine vehement abgewehrt werden.

Frank-Walter Steinmeier (SPD).
Der Kanzlerkandidat von der SPD ist ein intelligenter, dementsprechend ausgebildeter, dementsprechend kompetenter Politiker und sogar ein feiner Kerl mit menschlicher Größe und Würde - alle Charakteristiken, die nicht gerade einen Arbeiterkämpfer von Ursprüngen der SPD bis zu Willi Brandt und Gerhard Schröder auszeichnen. Das ist sein Problem in heutigem Wahlkampf. Man erwartet von ihm traditionell flammende Reden mit Schaum am Munde, welche das Proletariat auf Barrikaden rufen sollen. Gezwungen dazu gibt er sich auch Mühe und verliert dabei seine Individualität, indem er auf seinen Kundgebungen den "letzten Mohikaner" von dieser Sorte - Gerhard Schröder mit Gebrüll eines brünstigen Bullen - abzugeben versucht, statt seine Intelligenz spielen zu lassen.

Das ist auch das Hauptproblem der SPD und nicht den modernen SPD-Politiker Frank-Walter Steinmeier, der eher ein Opfer der Orientierungslosigkeit der SPD ist. Dieses Problem besteht darin, dass es kein Proletariat im traditionellen marxistischen und SPD-Sinne mehr gibt. Somit bleibt die SPD immer mehr basislose und orientierungslose Partei. Besonders nachdem Lafontaine den restlichen schwindenden linken Flügel der SPD entrissen und in die neue Partei "Die Linke" entführt hatte. Es ist auch kein Zufall, dass dieser Bruch zur Schröder-Zeit stattfand.

Schröder, der Lehrling von Willi Brand in seinen Wahlkampfmethoden, hatte die Situation begriffen, als er seine Partei auf der Suche nach neue Klientel in die Mitte rückte und schließlich die traditionelle, wenn auch schwindende SPD-Wählerschaft mit Agenda 2010 inklusive Harz IV verriet.

Kanzler Schröder als Person war der erste SPD-Umbruchspolitiker, der zwar traditionell aus einer Arbeiterfamilie und den ärmsten Verhältnissen stammte, aber sich alle Vorteile des modernen "Proletariers" mit seiner unstrittigen Intelligenz und mit seinem durch das Kindheitselend als Psychokomplex verursachte Ehrgeiz durch Bildung, Selbstbildung und ständiges Ackern nachgeholt hat. Dies schaffte ihm ein Selbstvertrauen, das in Zusammenspiel mit dem Minderwertigkeitskomplex aus seiner Kindheit zu einem "kleinen Führer" machte, der dem "Großen" - insbesondere in die letzte Zeit seiner Kanzlerschaft - in seinen diktatorischen Zügen immer mehr ähnelte.

Kanzler Schröder war eine kontroverse und im Grunde genommen tragische Figur. Sein Minderwertigkeitskomplex machte ihn nach dem Erhalt der lang angestrebten Macht eitel und korrupt. Diese Macht wollte er nicht um Deutschland das Gute tun, sondern um unter die Mächtigen zu kommen. Es genügt, uns an die Riesenzigarrenschachtel als Geschenk von Herrn Piech gleich nach der Wahl zum Kanzler, an die Eintrittskarten in die Oper von demselben Ferdinand Piech zu erinnern.

Es tat mir persönlich Weh, den Oberst eines der mächtigsten Ländern der Welt voll Ehrfurcht neben Piech - einem "kleinen" Bürger dieses Landes - zu sehen. Wohin diese Charakterzüge unseren Ex-Kanzler führten, wissen wir heute auch: ins "Gazprom" - ein russisches Riesenkonzern, das die "Demokratie" Russlands mit allen ihren dunklen Seiten gestaltet.

Nach dem Machteintritt genoss Kanzler Schröder seinen Kanzlersessel in vollen Zügen, er wurde wahrscheinlich durch seine Ehrfurcht vor Piech zum Autokanzler ernannt. Ansonsten sind diese vier Jahre für das dringend reformbedürftige Deutschland durch Schröders "Politik der ruhigen Hand" verloren gegangen. Er schien auch vor den US-Amerikanern Ehrfurcht zu haben, den die Begründung für seine ruhige Hand lautete: "Die Amerikaner machen das schon, und wenn sie das machen, zieht unsere Wirtschaft nach...".

Dieser Ehrfurcht sind wir alle nach dem 11. September 2001 zu Opfern gefallen, wo alle Deutschen auf einen Schlag vom Kanzler zu Amerikanern degradiert wurden und wie echte Amerikaner ihre Söhne begeistert in die Schlacht nach Afghanistan schickten - in einen neuen "Vietnamkrieg", aus dem es bis heute noch keinen Ausweg zu sehen ist.

Kaum hatten wir uns daran gewöhnt, Amerikaner zu sein, kam das nächste Wahljahr und der nächste amerikanische Krieg im Irak und wir wurden auf einmal vom Kanzler zu Antiamerikanern erklärt - ein Indiz dafür, wie leicht die Nachkriegsdeutschen mit ihrer Nationalität umspringen. Gegen Krieg zu sein, ist schon mal gut - allein um Soldatenlebens Willen, aber so eine "Verlässlichkeit", "Konsequenz" und "Kontinuität" in der Außenpolitik, wo man erst in einen Krieg begeistert und gut begründet einspringt und dann die Fortsetzung desselben gutbegründeten Kriegs vehement ablehnt und Koalitionen bricht, war schon immer in der Geschichte ein Grund für Kriege zwischen den Koalitionspartnern gewesen. Zeitweilig sah es auch danach aus, als der Kanzler die EU verließ und neue Dreiachse Berlin-Moskau-Paris bildete, als ob man sich auf den Krieg gegen die USA vorbereitete. Man oh man war es haarsträubend im Jahre 2002!....

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Zitat aus einem Internetbericht über Frau Meischbergers TV-Sendung im März dieses Jahres über BGE:

Die Sendung gab einen Ausblick darauf, was uns in diesem Wahlkampfjahr erwartet - die Parteien stecken fest, sie wandeln auf ausgetretenen Pfaden, wie auch Frau Maischberger feststellte. Die BGE-Befürworter sind um so mehr aufgerufen, in diesem Jahr mit vielen Wahlkämpfen diese vielen Möglichkeiten zu ergreifen, um das BGE bekannter zu machen und Politiker mit ihm zu konfrontieren. Die Finanzkrise erweist sich als Chance, denn sie ist eine Sinnkrise.


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