Viktor Eduard Prieb - Literatur
Poesie

"Ehre, wem Ehre gebührt!"


Гімн України
"Ще не вмерла Україна"

(В метре семистопного трохея)

Ще не вмерла України, ні слава, ні воля,
Ще нам, браття українці, усміхнеться доля.
Згинуть наші вороженьки, як роса на сонці,
Запануєм і ми, браття, у своїй сторонці.

Душу й тіло ми положим за нашу свободу,
І покажем, що ми, браття, козацького роду.

Станем, браття, в бій кривавий від Сяну до Дону,
В ріднім краю панувати не дамо нікому;
Чорне море ще всміхнеться, дід Дніпро зрадіє,
Ще у нашій Україні доленька наспіє.

Душу й тіло ми положим за нашу свободу,
І покажем, що ми, браття, козацького роду.

А завзяття, праця щира свого ще докаже,
Ще ся волі в Україні піснь гучна розляже,
За Карпати відоб'ється, згомонить степами,
України слава стане поміж ворогами.

Душу й тіло ми положим за нашу свободу,
І покажем, що ми, браття, козацького роду.

* * *


Слова: Павла Чубинського
Музика: Михайла Вербицького
Die Nationalhymne der Ukraine
“Noch nicht starb die Ukraine“

(In Metrum des siebenhebigen Trochäus)

Noch nicht starb die Ukraine, weder Ruhm, noch Wille,
Noch uns, Brüder-Ukrainer, lächelt Schicksal stille.
Unsre Feinde noch verschwinden, wie Tau in der Sonne
Und wir, Brüder, führen selber unser Land zu Wonne.

Leib und Seele geben dahin wir für unsre Freiheit,
Und wir, Brüder, zeigen unsres Kosakenstamms Reinheit.

Brüder, stehen auf für blutig' Schlacht von San bis Done
Lassen wir in Heimat niemand herrschen von dem Throne;
Schwarzes Meer wird lächeln noch und Vater Dnjepr sich freuen,
Wieder wird das Schicksal unsrer Ukraine blühen.

Leib und Seele geben dahin wir für unsre Freiheit,
Und wir, Brüder, zeigen unsres Kosakenstamms Reinheit.

Eifer und die ehrlich' Arbeit werden sich beweisen,
Noch verlautet Lied darüber in unseren Kreisen,
Drängt es hinter die Karpaten und die Steppenrände,
Und der Ruhm der Ukraine wird bekannt noch Fremden.

Leib und Seele geben dahin wir für unsre Freiheit,
Und wir, Brüder, zeigen unsres Kosakenstamms Reinheit.

* * *

Text von Paul Tschubinsk (1862)
Musik von Michael Verbitsky (1865)



Dieser im Herbst 1862 gedichtete Text wurde zusammen mit der im Jahre 1865 vom katholischen Priester geschriebenen Musik zur patriotischen Nationalhymne der Ukrainer, noch lange bevor es die Ukraine als eigenständigen Staat gab.

Ich übersetzte dieses Gedicht ins Deutsche, damit wir hier in Deutschland die Nachrichten vom Platz der Unabhängigkeit (Majdan Nesaleschnosti) und die dramatischen, blutigen Ereignisse auf dem Majdan besser nachvollziehen oder mitfühlen können, – den für uns in userer wohlhabenden Sicherheit vielleicht kaum vorstellbaren Mut, mit dem die Menschen dort den Kugeln des Regimes entgegentreten.

Diesem Zweck kann auch ein kurzer Exkurs in die Geschichte von der Entstehung bis in die heutige Zeit dieses slawischen Landes gut dienen.

Das Territorium der heutigen Ukraine wurde zur Zeit der Völkerwanderung von Ost-Goten besiedelt, die aus dem Norden (Region Weichsel-Delta am Ostsee) kamen. Die Nordküste des Schwarzen Meeres und die Halbinsel Krim wurden in der Antike von Griechen besiedelt, späater dem Römischen Reich einverleibt, dann von Chasaren erobert und danach standen diese unter der byzantinischen Kontrolle bis in XIV. Jh., als sie von Venezianer erobert wurden. Ab Mitte XV. Jh. übernahm diese Osmanisches Reich.

Im IX. Jahrhundert wurde an der Handelsroute von Skandinawien nach Konstantinopel von Ostslawen unter Einfluß von Warägern Kiewer Rus errichtet, ein Großreich mit Hauptsitz in Kiew, das zwischen den Jahren 980 und 1015 von Wladimir ("Weltherrscher") dem Großen regiert wurde.

Im Jahre 988 christianisierte Wladimir sein Volk nach byzantinischem Ritus. Im Süden grenzte Kiewer Rus mit den von nomadischen Stämmen (Petschenegen, Polowzen) besetzten Steppengebieten der Schwarzmeerküste, die bis zum XIII. Jahrhundert regelmäßig mit ihren Raubzügen ins Reich einfielen.

Im XIII. Jh. wurde Kiewer Rus durch mongolische „Goldene Horde“ erobert. Später bildeten sich die ostslawischen Nachfolgestaaten Moskowien, Wolhynien und Republik Nowgorod. Im XVII. Jh. eignete sich Moskowien, die östliche Peripherie der alten Rus, den Namen „Russland“ an und seitdem wurde für den süd-westlichen Teil der Begriff „Ukraine“ (Randgebiet, Peripherie) gebraucht. Bis zum XIX. Jh. hießen dessen Bewohner „Kleinrussen“ (Malorossen), danach etstanden Nationalitätsbegriffe Ukrainer und Weißrussen. Zu diesem Zeitpunkt der Stärkung der nationalen Selbstbewusstsein und mit der Anlehnung an den Kosakenstaat in Zaporojie an Dnjepr entstand auch dieses Gedicht.

Ab XII. Jh. entstand als eigenständiges, nach Westen orientiertes Fürstentum „Halytsch-Wolhynien“ (Galizien und Wolhynien), dessen Städte wie Lemburg (Lwiw) sogar Magdeburger Stadtrecht einführten.

Im XIV. Jh. wurden die nordöstlichen Gebiete des Fürstentums und zentralukrainischen Gebiete an Dnjepr mit Kiew durch Eroberungskrieg zum Teil des Großfürstentums Litauen. Den südwestlichen Teil des Fürstentums (Galizien) eroberte Polen. Seit dem Jahre 1569 gingen all diese ukrainischen Gebiete an Polen. Der Süden der heutigen Ukraine wurde zu einem eigenständigen, unter osmanischer Schutzherrschaft stehenden Krim-Khanat. Große Teile der Steppengebiete in der heutigen Südukraine wurden in der Zeit 1368–1783 von den Nachkommen der Nogaier-Horde, den Schwarz-Nogaiern, beherrscht und in Gemengelage besiedelt.

Im Jahre 1648, nach dem Kosakenaufstand gegen die polnisch-litauischen Adligen, errichtete Bohdan Chmelnyzkyj einen eigenständigen ukrainischen Kosakenstaat (Hetmanat) mit Regierungssitz in Tschyhyryn, der aber 1651 durch Bündnisse mit Russland und dem Osmanischem Reich wieder schnell in Abhängigkeiten geriet. Daraufhin wurde die Ukraine zwischen Polen, welches die Rechtsufrige Ukraine erhielt, und Russland, das die linksdnieprischen Gebiete bekam, geteilt. Nach dreimalige Teilung Polens 1772, 1793 und 1795 wurden Ost-Galizien österreichisch und der Rest der Westukraine russisch.

Die in russisch-osmanischem Krieg 1768 - 1783 von Katharina der Großen eroberten Schwarzmeergebiete („Nogaier-Steppen“ zwischen Dnjepr und Don) sowie die von Fürst Potjomkin annektierte und von Katharina "für immer und ewig" zum Territorium des Russischen Reiches deklarierte Halbinsel Krim (das Krimchanat) wurden im Jahre 1796 zu einem russischen Gouvernement Neurussland vereint (Noworossia – umfasste die Gouvernements Jekaterinoslaw, Cherson und Taurien) zusammengefügt und es wurden die Städte Sewastopol (1783, Militärhafen und Festung neben den Ruinen der altgrichischer Stadt Chersones) und Simferopol (1784) auf der Halbinsel Krim sowie die Hafenstadt Odessa (1793) gegründet.

Die bisher fast unbewohnten und durch Ackerbau unberührten Steppengebiete wurden nach der Einladung vom Zar Alexander I. (sein Erlaß vom 20.02.1804) durch die deutschen Kolonisten-Auswanderer (Schwarzmeerdeutsche) besiedelt und kultiviert.

Im XIX. Jahrhunderts, zur Zeit der Entstehung der Hymne, entwikelte sich ukrainische Nationalbewegung. Das Erwachen des nationalen Selbstbewußtseins war kein ukrainisches Phänomen. In dem post-napoleonischen Europa führte dieses zum Enstehen von Königsreich Italien und Kaiserreich Deutschland. In der Ukraine führte die sich in Kiew formierte und die Unabhängigkeit von Russland einfordernde Bewegung zu nichts und die Ukraine blieb bis zum Jahre 1917 ein Bestandteil des russischen Zarenreiches.

Während des Ersten Weltkriegs unterstützte das Deutsche Reich diese Bewegung der Ukrainer. Nach der Februarrevolution 1917 und dem Sturz der Zarenregierung kam am 4. März in Kiew der Ukrainische Nationalkongress zusammen und wählte einen obersten Rat (ukr. Zentralna Rada, „Zentralrat“ ). Dieser rief die Unabhängigkeit der Ukraine aus und trat in Verhandlungen mit der provisorischen russischen Regierung.

Nach der Oktoberrevolution und Lenins Dekret über Selbstbestimmung der Nationen rief der Zentralrat zunächst eine Autonomie aus, am 22. Januar 1918 dann die volle Selbständigkeit als Ukrainische Volksrepublik. Am 8. Februar eroberten Verbände einer bolschewistischen Gegenregierung Kiew, wurden jedoch durch die deutschen nach Bestimmungen des Friedensvertrags von Brest-Litowsk zum Schutz der deutschen Kolonisten in die Ukraine eimarschierten Truppen vertrieben. Die deutsche Regierung setzte General Pawlo Skoropadskyj als Hetman an die Spitze des ukrainischen Staates. Er bestimmte von April bis Dezember 1918 die Geschicke des Landes.

Nach dem Abzug der deutschen Truppen herrschte in den Jahren 1919 - 1920 der Bürgerkrieg, in dem auch die Selbstschutztruppen der deutschen Kolonisten zunächst eigenständig und später zusammen mit den Kosakenverbänden an der Seite der Weißen Garde teilnahmen und den die Bolschewiken schließlich für sich entschieden. Schon 1919 wurde die Ukraine (ohne Ost-Galizien) zu einer Sowjetrepublik. Ebenso erging es der Volksrepublik Krim, welche sich Ende 1917 zu einer unabhängigen Republik der Krimtataren ausrief, und wenige Monate später, 1918, sowjetisiert wurde.

Im östlichen Teil Galizien bildete sich nach dem Ende des Ersten Weltkrieges im Januar 1919 analog die Westukrainische Volksrepublik – Sachidno-Ukrajinska Narodna Respublika (SUNR), deren Hauptstädte nacheinander Lemberg, Ternopil und Stanislau (heute Iwano-Frankiwsk) waren.

Die im Südwesten des Landes gelegene Karpatoukraine, die bis 1919 zu Ungarn gehörte, fiel 1919 an die neugegründete Tschechoslowakei. 1921 musste die Westukrainische Volksrepublik nach dem Polnisch- Ukrainischen Krieg kapitulieren. Nach dem Krieg zwischen Polen (unter Führung von Piłsudski) und Sowjetrussland wurde Ost-Galizien polnisch.

In der Zentral- und Ostukraine setzte sich die sowjetische Herrschaft durch. 1922 wurde die Ukrainische Sozialistische Sowjetrepublik offiziell Teil der neu gegründeten UdSSR. Im Rahmen der sowjetischen Industrialisierung wurden im Osten der Ukraine heutige Industriegroßstädte Dnipropetrowsk (Chemie), Kriwoj Rog (Stahlindustrie), Donezk (früher Stalino - Schwerindustrie, Kohlebergbau), Mariupol (Metallurgie) und Charkiw (Flugzeugbau) zu großen wirtschaftlichen Zentren. Das führte zum Massenzuzug der russischen Bevölkerung aus den infolge der Kollektivierung hungernden ländlichen Regionen des Zentralrusslands als Arbeitskräfte.

Während der Industrialisierung und Kollektivierung in 30en Jahren verhungerten durch die künstlich verursachte Hungersnot, verstarben an Seuchen und wurden durch sowjetisches Terror vernichtet 6-7 Millionen Ukrainer. Für die Völkermordforscher ist es die „schnellste gegen eine einzelne Volksgruppe gerichtete Massentötung des XX. Jahrhunderts und womöglich der Geschichte“. Als Motiv wird die „Brechung der ukrainischen Unabhängigkeitsbewegung“ angenommen.

Im Zweiten Weltkrieg fanden die deutschen Truppen in der Ukraine etliche Unterstützer gegen die Sowjetmacht. Der blitzartige Einmarsch der deutschen Wehrmacht ersparte zunächst den Schwarzmeerdeutschen in der Ukraine das Schicksal ihrer Landsleute in der Wolgarepublik, die nach dem Erlaß des Politbüros der KPdSU vom 28. August 1941 nach Sibirien und Mittelasien deportiert wurden. Nach dem Krieg mussten dennoch auch sie den Wolgadeutschen in die Verbannung folgen.

Während der deutschen Besatzung stand „Reichskommissariat Ukraine“ zum größeren Teil unter deutscher Zivilverwaltung. Die Ukraine war neben den baltischen Staaten und Weißrussland einer der Hauptschauplätze an der Ostfront. Zwischen 1943 und 1947 gab es eine starke nationalistische Unabhängigkeitsbewegung (ukrainische aufständische Armee – Ukrajinska Powstanska Armija UPA).

Der im Jahre 1909 in österreichischem Galizien geborene Stepan Bandera war der Anführer der ukrainischen, während und nach dem Zweiten Weltkrieg für die Unabhängigkeit der Ukraine sowohl gegen die deutsche Wehrmacht als auch gegen Sowjetmacht kämpfenden Nationalisten. Zwischen dem Juli 1941 und dem September 1944 wurde Bandera von Deutschen im KZ Sachsenhausen festgehalten. Im Jahre 1946 flüchtete Bandera nach Deutschland, München, wo er 1959 von den KGB-Agenten umgebracht wurde. Seine UPA zerfiel in kleine Gruppen, die bis Ende der 1950en Jahre gegen die Sowjetherrschaft und gegen die Rote Armee einen Guerillakrieg führten.

Schließlich war die UPA niedergeschlagen worden und rund 300.000 Ukrainer wurden nach Sibirien deportiert. Von der sowjetischen Propaganda wurden diese Kämpfer als Banderas Banditen und "Banderowzy" bezeichnet. Diese Bezeichnung lebte immer dann auf, wenn sich die Ukrainer für ihre Unabhängigkeit von Russland stark machten, ansonsten wurden alle Westukrainer als "Banderowzy" bezeichnet. So auch heute werden alle Majdan-Kämpfer von russischer Propaganda in Moskau, in der Ost-Ukraine und auf der Krim als Banderowzy beschimpft, um die Angst bei der ukrainischen Bevölkerung russischer Nationalität vor deren Repressalien zu schüren. Dabei erklärte Bandera und seine UPA nie den Kampf den Russen in der Ukraine und in dem noch vor Einmarsch der regulären deutschen Truppen am 30. Juni 1941 von ihm in Lemberg angerichteten Massaker wurden rund 7000 überwiegend Kommunisten und Juden ermordet.

Die Assimilations- und Russifizierungspolitik wurde von Stalin in allen Sowjetrepubliken mit verschiedensten Methoden durchgeführt. Die sichersten und erprobten waren Vernichtung (durch Hungernöte, Erschießungen, Inhaftierungen in KZ’s) und Deportation von Einheimischen (Deutsche, Lätten, Litauer, Esten, Ukrainer, Kalmyken, Tataren, Tschetschenen, Inguschen) und Einsiedlung von Russen. Diese von Stalin gelegten „Tretminen“ gingen bereits während der Perestrojka sowie nach dem Zerfall der UdSSR hoch, tun das immer noch und gaben der Regierung Russlands angebliches Recht sich überall auf dem ganzen Gebiet der Ex-UdSSR zum Schutz von „Russen“ politisch und militärisch einzumischen, wie in Baltischen Republiken, Kaukasus, Mittelasien und heute in der Ukraine.

Was die Definition „Russen“ dabei bedeutet, variiert sich, wie man es auch in dem ukrainischen Konflikt jeden Tag anders hört, von „russischspachigem Teil der Bevölkerung“ (Putin im Interview vom 3. März 2014), bis hin zu „unseren russischen Bürgern“ (Außenminister Lawrow am 2.-3. März 2014 vor dem Uno-Menschenrechtsrat in Genf).

Mit der ersten Definition kann man alle vor allen schützen, denn nach dem Gesetz von 1938 wurde Russisch in der ganzen UdSSR als schulpflichtige Staatssprache eingeführt und alle Sowjetbürger sprachen und sprechen immer noch Russisch, wenn auch viele mit ihrem nationalen Akzent.

Die zweite von dem höchsten russischen Diplomaten Lawrow ist eine typisch imperiale Unverfrorenheit, die auf jegliches Political Correctness verzichten lässt, denn alle in der Ukraine einschließlich der russischsprachigen Einwohner der Halbinsel Krim und ausschließlich nur russischer Touristen und der Angehörigen der russischen Kriegsflotte in Sewastopol besitzen ukrainische Pässe und Bürgerschaft. Die ursprüngliche Idee unter der Bevölkerung der Krim wie in Ossetien und Abchasien russische Pässe zu verteilen, um deren Besitzer dann als russische Bürger zu verteidigen, war schon korrekter, abgesehen von blöder Fortsetzung dieser Idee, dann mit russischen Pässen auf dem ukrainischen Boden irgendwelche Referenden durchzuführen.

Wenn die Weltgemeinschaft solche Argumente geltend machen lässt, dann gute Nacht! Seit dem Fall des eisernen Vorhangs wurden alle Staaten der Welt von Neuseeland über Europa bis Amerika mit „russischsprachigen Bürgern“ genau nach Definition von Putin und Lawrow besudelt. Wenn einer von denen oder sogar eine Organisation von denen wie z. B. Zentralrat der Juden in Berlin einen „Janukowitsch-Zettel“ an Putin schreibt, sind gleich die gepanzerten Retter aller Russen da, in jeder Ecke der Welt.

Aber zurück zu der Hymne. Jedesmal, bei jedem Unabhängigkeitsversuch wie zwischen 1917-20 oder –kampf wie zwischen 1940-1959 klang ofiziell oder inofiziell diese stolze Hymne. Deswegen war sie in der UdSSR strengst verboten und das Singen dieser Hymne wurde mit einer vieljährigen Haft beschtraft. Nach der Auflösung der Sowjetunion und der Gründung einer unabhängigen Ukraine 1991 wurde die Musik als Hymne in Artikel 20 der Verfassung festgeschrieben, erst am 6. März 2003 wurde das von Präsident Kutschma eingebrachte Gesetz „Über die Nationalhymne der Ukraine“ im Obersten Rat verabschiedet, welches den oben dargestellten Text mit der dazu gehörenden Musik zur Nationalhymne der heutigen unabhängigen Ukraine erklärt hat.

Abgesehen von allen Verboten ist mir diese Hymne seit meiner Jugend geläufig. Nachdem wir – vier Brüder – zu Erwachsenen wurden und zu unserem Vater – dem deutschen Ex-Kolonisten aus der Ukraine, Ex-Waffen-SS-Zwangssoldaten aus Deutschland, EX-Häftling des sowjetischen KZs im Ural, einer von vielen multinationalen Zwangssibirier – zu regelmäßigen Foren - Familienversammlungen - kamen, klang nach dem Essen und Trinken im Elternhaus immer wieder diese Hymne, durch dicke Basstimme des Vaters mit Heimatweh angeführt und von vier seinen heimatlosen Söhnen nach Kräfte mächtig verstärkt: „Душу й тіло ми положим за нашу свободу“ (Leib und Seele geben dahin wir für unsre Freiheit). Und fiel die Last der Erniedrigungen und der sibirischen Verbannung von unseren Seelen ab, und flogen unsere Seelen über totgefrorene Unendlichkeit Sibiriens weit weg zur Heimat unseres Vaters, zu nie gesehenen Steppen Tauriens, zu dem Heimatland unserer deutschen Vorfahren, Kolonisten- Pionieren, zu ihrem Leid, harten Überlebenskampf, glorreichen Aufstieg und durch Sowjets angerichteten Untergang!

Den Seelenflug und –ruf erlebte ich immer wieder, als ich diese Hymne auf dem Maidan vor dem Hintergrund von Schüssen und Salven hörte...




Aus meinem poetischen Sammelband
"Was gereimt werden muss".


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